F.acT: Wieso ist das Thema für die Tiroler Tourismuswirtschaft relevant?
Sophie Schopf: Digitale Nomad:innen sind Menschen, die ortsunabhängig arbeiten und dabei Reisen und Beruf flexibel miteinander verbinden. Immer mehr von ihnen suchen nach Orten mit guter Infrastruktur, hoher Lebensqualität und naturnahen Erlebnissen. Für Tirol eröffnet dieses Phänomen Chancen, neue Zielgruppen anzusprechen, erfordert aber auch ein Bewusstsein für mögliche soziale und kulturelle Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften.
F.acT: Welches methodische Vorgehen haben Sie in Ihrer Arbeit angewandt?
Sophie Schopf: Ich habe ein qualitatives, ethnografisches Forschungsdesign gewählt. Dafür habe ich vier Wochen auf Fuerteventura, einer der Kanarischen Inseln, verbracht und dort teilnehmende Beobachtungen sowie leitfadengestützte Interviews mit digitalen Nomad:innen und Einheimischen durchgeführt. Dieses Vorgehen ermöglichte es, ein tiefes Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen digitaler Arbeit, lokaler Kultur und Tourismusentwicklung zu gewinnen.
F.acT: Was sind die Kernergebnisse Ihrer Arbeit und welche Bedeutung haben diese für touristische Destinationen und Betriebe?
Sophie Schopf: Die Forschung zeigt, dass digitale Nomad:innen das lokale Leben herausfordern können. Sie tragen zur Ganzjahresauslastung und wirtschaftlichen Diversifizierung bei, können aber auch soziale Spannungen und steigende Lebenshaltungskosten verursachen. Für Destinationen wie Tirol bedeutet dies, dass eine bewusste Gestaltung dieses neuen Tourismussegments notwendig ist, mit Fokus auf nachhaltige Integration, faire
Nutzung von Ressourcen und den Erhalt lokaler Identität.
F.acT: Was war ein besonders interessantes Ergebnis der Arbeit?
Sophie Schopf: Ein besonders interessantes Ergebnis war, dass digitale NomadInnen nicht nur nach Infrastruktur und Internetqualität suchen, sondern vor allem nach Orten mit guter Lebensqualität, authentischen kulturellen Erfahrungen und sozialen Vernetzungsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass politische Maßnahmen notwendig sind, um die Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften zu steuern. Auf den Kanarischen Inseln müssen etwa Regelungen und Strategien entwickelt werden, um sowohl die Chancen für Wirtschaft und Tourismus zu nutzen als auch soziale Spannungen und steigende Lebenshaltungskosten zu vermeiden.
F.acT: Welche konkreten Handlungsempfehlungen geben Sie in Ihrer Masterarbeit?
Sophie Schopf: Destinationen sollten Strategien entwickeln, um digitale Nomad:innen als nachhaltige Zielgruppe anzusprechen, etwa durch Co-Working-Angebote, lokale Vernetzungsinitiativen und Sensibilisierungsprogramme für beide Seiten. Lokale Betriebe können von dieser Entwicklung profitieren, etwa durch Kooperationen mit Remote-ArbeiterInnen und die Schaffung hybrider Angebote zwischen Arbeit und Freizeit.

