Kurzfassung der Studie
Diese Studie zeigt, wie wichtig es ist, Nachhaltigkeit aus einer beziehungsorientierten, mehr-als-menschlichen Perspektive neu zu denken. Damit reagiert sie auf kritische Diskussionen rund um nachhaltige Entwicklung und die dahinterliegenden, oft rein betriebswirtschaftlichen Denkweisen.
Theoretisch entwickelt die Studie das Konzept einer mehr-als-menschlichen Nachhaltigkeit, basierend auf relationalen Ontologien und feministischen, neu-materialistischen Ansätzen. Empirisch stützt sie sich auf ethnografische Feldforschung, bei der Schnee in Skigebieten der Tiroler Alpen „beschattet“ wurde – also Schnee und die Arbeit rund um Schnee eng begleitet wurden.
Durch spekulatives Erzählen werden mehr-als-menschliche Beziehungen im Wintertourismus sichtbar gemacht. Die Ergebnisse zeigen verborgene Formen des Wartens-auf Schnee, Verbunden-seins-mit Schnee und Gedeihens-mit Schnee. Diese Perspektiven stellen kapitalistische Arbeitsweisen infrage und eröffnen neue Wege, über Nachhaltigkeit im zukünftigen Wintertourismus nachzudenken.
Zum Abschluss untersucht die Studie alternative Ansätze für nachhaltige Formen des „Welt-Gestaltens“, indem sie kritisch aufzeigt, welche Rolle mehr-als-menschliche Beziehungen im Tourismus spielen können.
Kernergebnisse dieser Studie
- Warten-auf Schnee zeigt, wie stark der Wintertourismus von natürlichen Prozessen abhängt. Schnee folgt keinen menschlichen Zeitplänen und zwingt Mitarbeitende und Betriebe, Verzögerungen und Unsicherheiten einzuplanen.
- Verbunden-sein-mit Schnee entsteht durch körperliche und technische Zusammenarbeit. Mitarbeitende nutzen Sinne, Werkzeuge und Maschinen, um Schnee wahrzunehmen, zu verstehen und mit ihm zu arbeiten.
- Gedeihen-mit Schnee beschreibt eine Beziehung, die von Fürsorge geprägt ist. Mitarbeitende erleben Schnee nicht nur als Ressource, sondern als Partner:in, der/die Orientierung, Freude und ein Gefühl von Verbundenheit ermöglicht.
- Mehr-als-menschliche Beziehungen verändern das Verständnis von Nachhaltigkeit grundlegend. Nachhaltigkeit erscheint nicht als wirtschaftliches Ziel, sondern als gemeinsamer Prozess des „Welt-Gestaltens“ zwischen Mensch, Schnee und Landschaft.
- Diese Beziehungen eröffnen alternative Zukunftsbilder für den Wintertourismus. Sie machen deutlich, dass nachhaltige Wege jenseits von wirtschaftlichem Wachstum möglich sind, wenn Mensch und Natur als miteinander verwoben gedacht werden.