F.acT: Das Zentrum Familienunternehmen feiert heuer sein 10-jähriges Jubiläum. Wie hat sich die Lage der Familienunternehmen in dieser Dekade verändert?
Anita Zehrer: Das Thema Unternehmennachfolge bzw. -übergabe war damals schon sehr präsent und bleibt bis heute relevant. Damit ist es nach wie vor wichtig, flexibel auf - manchmal auch unvorhersehbare - Situationen reagieren zu können. Die Digitalisierung hat natürlich nochmals einen viel zentraleren Stellenwert eingenommen und entwickelt sich mit einer noch nie da gewesenen Geschwindigkeit. Auch hat sich die Mitarbeiterorientierung verstärkt. Im heutigen “War for Talents” leiden viele Branchen unter dem Fachkräftemangel und durch die stärkere Akademisierung konkurrieren Familienunternehmen häufig mit Großkonzernen - gerade wenn es um die Bezahlung geht. Gerade deshalb sind Arbeitgeberattraktivität und regionale Talentförderung extrem wichtig.
F.acT: Wie hat das Zentrum selbst zu diesem Wandel beigetragen?
Anita Zehrer: Als wir mit dem Zentrum am MCI gestartet hatten, war das Thema auch für uns noch recht neu. Wir haben hier eine Reihe an Lehr- und Lernformaten, NextGen-Nachfolgecoachings etabliert sowie viele nationale und internationale Praxisprojekte umgesetzt. Dazu zählen Speed Datings, Exkursionen sowie Praxisprojekte, welche den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis und damit zwischen Studierenden und Unternehmen stärken konnten. Daneben sind auch viele Publikationen entstanden. Das Zentrum dient heute als Plattform des Erfahrungsaustauschs und als Impulsgeber für die Zukunftsfähigkeit von Familienunternehmen.
Letzte Woche fand auch wieder die FIFU DACHLI Konferenz statt. Die deutschsprachigen Forschungszentren und Institute für Familienunternehmen (FIFU) boten bei dieser Konferenz einen interdisziplinären und wissenschafltichen Austausch für die Community an. Zum 15. Jubiläum standen heuer Projekte und Forschungsarbeiten sowie die Auseinandersetzung mit interdisziplinären Themen zur Zukunft von Familienunternehmen im Mittelpunkt.
F.acT: Wie sieht die Zukunft von Familienunternehmen aus? Auf welche Herausforderungen werden sich diese künftig noch einstellen müssen?
Anita Zehrer: Familienunternehmen haben sich als besonders krisenresistenz und resilient erwiesen, da sie eine langfristige Perspektive und einen längeren Planungshorizont einnehmen. Gleichzeitig sind Familie und Betrieb eng miteinander verbunden, was hohe Identifikation, Loyalität und Einsatzbereitschaft bedeutet. Somit werden Familienbetriebe häufig als authentische Sympathieträger mit langfristigem Verantwortungsbewusstsein für die Region angesehen. Sie sichern Arbeitsplätze und bauen ein generationsübergreifendes Know-How und langjährige Beziehungen zu den unterschiedlichsten Stakeholdergruppen auf.
Auch zukünftig wird uns das Thema der Nachfolge weiter beschäftigen, da dies einen höchst emotionalen und komplexen Prozess darstellt und sowohl die persönliche als auch die unternehmerische Ebene umfasst. Zudem müssen Nachhaltigkeitsaspekte in die Geschäftsmodelle mit einfließen, ohne gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit außer Acht zu lassen. Damit werden die künftigen Herausforderungen nicht weniger. Gleichzeitig zeigt sich durch digitale Geschäftsmodelle, datengetriebene Prozessoptimierungen aber auch ein großes Potential, um Effizienzsteigerungen gerade in den zumeist kleinstrukturierten Betrieben zu erreichen oder auch neue Märkte zu erschließen.
F.acT: Was sind die Pläne des Zentrum Familienunternehmen in den nächsten 10 Jahren?
Anita Zehrer: Unser zukünftiges Anliegen ist es, Studierende mit unternehmerischem Hintergrund weiterhin auf ihrem Weg zu begleiten, denn Sie sind als NextGen die künftigen Unternehmer:innen. Zudem wollen wir durch angewandte Forschungs- und Praxisprojekte gemeinsam mit Unternehmer:innen an konkreten Problemstellungen und Herausforderungen arbeiten. Über gezielte Veranstaltungen soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Familienunternehmen weiter gestärkt werden, denn Familienunternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Sie sorgen für Stabilität, schaffen Arbeitsplätze, denken langfristig und tragen durch Verantwortung für Mitarbeitende und Regionen entscheidend zum gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhalt bei.





