F.acT: Wie ist die Idee zu rainbow travel entstanden, und welche Lücke wollten Sie im österreichischen Reisemarkt schließen?
Alfred Holzknecht: Mit der Gründung der Marke rainbow travel habe ich 2018 den Wunsch verwirklicht ein ganzheitliches, sozial nachhaltiges und tolerantes Produkt auf den Markt zu bringen. rainbow travel als LGBTQ+ Community Reiseagentur (Veranstalter & Vermittler) hat es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem sichere und unbeschwerte Reisen für die LGBTQ+ Community zu schaffen. Der Safe Space weg vom heimischen Safe Space ist hier absolut im Fokus und bei der Zusammenstellung unserer Angebote achten wir genau darauf, dass unsere Partner:innen in den Destinationen auch bereit sind und das Bewusstsein haben, diesen Safe Space für unsere Reisenden zu schaffen.
F.acT: Welche besonderen Bedürfnisse oder Erwartungen haben LGBTQ+ Reisende, und wie unterscheidet sich Ihr Reiseangebot von klassischen Reisebüros?
Alfred Holzknecht: Wir vermarkten nur sehr wenig klassische Pauschalreisen. Unser Credo „Urlaub nach Maß - nicht von der Stange“ spiegelt sich in der Gestaltung unserer Angebote wieder. Die Bedürfnisse der LGBTQ+ Community sind so farbenfroh und facettenreich wie der Regenbogen selber und deshalb ist es uns immer ganz wichtig, auf jede*n einzelne*n Kund*in einzugehen und hier ein entsprechendes Angebot zu gestalten. Immer unter dem Fokus der Sicherheit und des unbeschwerten Reisens. In vielen Destinationen der Welt ist das kein Problem. (Anmerkung: Der kürzlich veröffentliche Gay Travel Index gibt hier ein gutes Allgemeinbild). In einigen Ländern sind gleich- trans- oder intergeschlechtliche Reisende allerdings nicht so gern gesehen. Eine offene Kommunikation mit den Kunden über DOs und DON’Ts in den verschiedenen Ländern und auch mit unseren Partner:innen in den Destinationen ist hier sehr sehr wichtig und sehe ich als Grundvoraussetzung für die Schaffung eines unvergesslichen Urlaubs-Erlebnisses. Viele unserer Mitbewerber am Markt, versuchen die LGBTQ+ Community anzusprechen - als kaufkräftige Zielgruppe - verfügen aber leider nicht über das notwendige Know-How. Bei rainbow travel schaffen wir es, die perfekten Angebote zu gestalten. Das ist wohl der wichtigste Unterschied zu den „klassischen Reisebüros“.
Alfred Holzknecht: Tirol hat enormes Potenzial. Grundsätzlich sind wir ja ein sehr offenes Land - wir schaffen es leider nur nicht immer, das auch zu kommunizieren. In Zeiten der Internationalisierung unserer Quellmärkte (klar, Deutschland wird immer ganz vorne sein) stehen wir vor vielen Herausforderungen im heimischen Tourismus. Wir müssen uns erst an das Verhalten der neuen Reisenden aus der ganzen Welt gewöhnen. Ich sehe das als Weiterentwicklungsprozess bei dem wir in unseren Werten, die nach Außen kommuniziert werden, auch Akzeptanz und Toleranz stärker hervorheben. Mit unseren Projekten, wie z.B. der Winter Pride in Sölden, schaffen wir es ganz gut, der Welt zumindest für eine Woche lang zu zeigen, dass Tirol und in diesem Fall konkret das Ötztal, eine offene und tolerante Destination ist, dass wir gerne die Farben des Regenbogens auch nach Außen transportieren und dass wir in den Tiroler Tälern bereit sind für ein internationales Publikum auch im LGBTQ+ Bereich. Bei der Ausgabe 2026 der Winter Pride (21.-28.03.2026) werden Teilnehmer*innen aus, Stand heute - 12.03.2026 -, 26 verschiedenen Ländern dabei sein. Mir wäre es ein großes Anliegen, dass wir Angebote wie die Winter Pride in Sölden gesamttirolerisch schaffen können - hier ist die Produkt-, und Markenentwicklung der Destinationen gefragt - die LGBTQ+ ist eine Community, die Tirol grundsätzlich mag und auch über die notwendige Kaufkraft verfügt. Und in Tirol haben wir eine tolle Infrastruktur, die man perfekt in konkrete Angebote umwandeln könnte. Mit rainbow travel stehen wir hier auch gerne beratend zur Verfügung.
F.acT: Wie kann der Tourismus insgesamt – von Betrieben bis zu Destinationen – dazu beitragen, dass sich LGBTQ+ Reisende überall sicher, willkommen und sichtbar fühlen?
Alfred Holzknecht: Sich überall sicher und willkommen zu fühlen, wird wohl grundsätzlich schwierig sein, denn es hängt immer auch an den Menschen, den Dienstleistenden in den einzelnen Destinationen und auch an der Community selber. Ein Zusammenspiel dieser Faktoren ermöglicht es in einigen Fällen nicht, dass Reisende der LGBTQ+ Community sich willkommen fühlen. Umgekehrt muss man auch feststellen, dass die Community selber, die Gesellschaft oft vor große Herausforderungen stellt, indem ein „extremes“ Verhalten an den Tag gelegt wird. Die LGBTQ+ Community muss in Zeiten wie diesen weiterhin das Ziel der Aufklärung, Toleranz und Akzeptanz forcieren und so Schritt für Schritt das Verständnis in der Gesellschaft, und hier vor allem in den älteren Generationen, stärken. Im Grunde ist es wichtig, dass der Tourismus von der Dachorganisation einer Destination bis hin zu den einzelnen Vermieter:innen Aufklärung erfährt, die Zielgruppe versteht und weiß, mit welchen Themen die Community selber gerade beschäftigt ist. Nur so schaffen es Tourismusorganisationen aller Art auch eine ehrliche Offenheit gegenüber den Reisenden der LGBTQ+ Community zu schaffen.





