Forschung

„Skiing with“ – Wintertourismus ethnographisch erkunden

Ethnographische Methoden für die Wintertourismusforschung
Die neue ethnographische Methode „Skiing-with“ hilft, die aktuellen Herausforderungen der Nachhaltigkeit im Wintertourismus auf lokaler Ebene und in alltäglichen Arbeits- und Freizeitpraktiken zu analysieren.
Publikation: Monica Nadegger, Outi Rantala & Peter Varley (2025)
Ethnographische Perspektiven helfen, Nachhaltigkeit im Wintertourismus neu zu denken
Komplexe Spannungsfelder werden in lokalen und realen Situationen aufgezeigt und erforscht.
Strukturen in alltägliche Arbeitspraktiken und Freizeitaktivitäten stehen in engem Zusammenhang mit dem Potenzial für nachhaltiges Wirtschaften.
Situierte und detaillierte Analysen zeigen die Komplexität, Spannungsfelder und Technologisierung des alpinen Skifahrens.

Kurzfassung der Studie

In dieser Forschungspublikation wird „Skifahren-mit“ (skiing-with) als eine ethnografische Forschungsmethode vorgeschlagen, um die verschneiten Landschaften und ihre aktuellen Herausforderungen aus nächster Nähe zu untersuchen.
Skifahren ist eine traditionelle Art, sich auf und im Schnee fortzubewegen und hat sich gegenwärtig zum Zentrum des (alpinen) Wintertourismus entwickelt. Jedoch steht  das Skigeschäft aufgrund des Klimawandels, unsicherer Schneeverhältnisse sowie demografischer Entwicklungen vor zentralen Herausforderungen.
Aufbauend auf der Tradition ethnographischer und situativer Methoden der Feldforschung wird untersucht, wie das Skifahren selbst als ethnografische Methode aus nächster Nähe hilft, die aktuellen Herausforderungen der Nachhaltigkeit aus einer neuen Wissens- und Betrachtungsweise heraus zu überdenken. Durch „Skifahren-mit“ wird ein neues Verständnis dafür entwickelt, wie durch alltägliche Freizeit- und Arbeitspraktiken die Prioritäten des Skitourismus in verschneiten Landschaften erkannt und (neu) gestaltet werden können.
Auf diese Weise wird eine ethnografische Forschungsmethode für Tourismusforscher:innen und das Phänomen Wintertourismus veranschaulicht.

Kernergebnisse dieser Studie

  • Neue Perspektive auf Nachhaltigkeit im Wintertourismus: „Skifahren-mit“ wird als eine ethnografische Forschungsmethode vorgeschlagen, um aktuelle Spannungsfelder in verschneiten Landschaften aus nächster Nähe zu untersuchen. Diese nuancierten Methode der Feldforschung, die auf feministischen und posthumanistischen Ansätzen basiert, hilft dabei, Herausforderungen der Nachhaltigkeit aus einer neuen Wissens- und Betrachtungsweise heraus zu überdenken.
  • Ethnographische Sensibilität in verschiedenen Situationen: Die untersuchten Alltags- und Arbeitspraktiken in Skigebieten in Österreich, Finnland und Frankreich zeigen die vielfältigen Verstrickungen der Skilandschaft. Diese historischen und aktuellen Spuren umfassen nicht nur Skifahrer:innen und Natur, sondern auch Technologie (wie Pistenfahrzeuge und Satellitensysteme) und deren Wirkung und Grenzen im täglichen Gestalten des Skitourismus.
  • Bedeutung lokaler Distanz: Die durch die COVID-19-Pandemie entstandene Unterbrechung des normalen Skibetriebs führte zu einer neuen Distanz zum üblichen Tourismusgeschäft. In diesen ruhigeren Zeiten traten das lokale Wohlbefinden, die Nähe zu vertrauten Orten und die sozialen Aspekte des Skifahrens in den Vordergrund. Durch ethnographische Forschung lässt sich so auch die emotionale und affektive Ebene des Skifahrens erforschen.
  • Spannungsfeld Nachhaltigkeit: Der moderne Skisport ist stark von Konsum, Luxus und Marktlogiken geprägt. Diese Logiken stehen teilweise konträr zu den Zielen der Nachhaltigkeit und schaffen Spannungsfelder in wirtschaftlich, sozial und ökologisch verantwortungsvollen Handeln.
  • Kritische Reflexion auf lokaler Ebene: „Skifahren-mit“ zielt nicht darauf ab, einfache Lösungen zu finden oder den Skisport zu romantisieren; es beleuchtet die Komplexität und die eigenen Widersprüche des Wintertourismus. Die Methode bietet einen Weg, diese Spannungsfelder in den alltäglichen Arbeits- und Freizeitpraktiken des Skifahrens kritisch zu hinterfragen und alternative Wege für den Wintertourismus aufzuzeigen.

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.