Forschung

Überbrückung der Kluft zwischen Wissenschaft und Politik im Bereich nachhaltiger Tourismus

Eine multi-methodische Analyse der UNWTO-INSTO-Beobachtungsstellen
Die Studie zeigt anhand mehrerer INSTO-Fallbeispiele, wie nachhaltige Tourismusobservatorien wissenschaftliche Erkenntnisse in politisches Handeln überführen – und welche Faktoren helfen, die Lücke zwischen Forschung und Praxis zu schließen.
Publikation: Anna Scuttari, Felix Windegger, Valentin Wallnöfer & Harald Pechlaner (2025)
INSTO-Observatorien liefern verlässliche Daten für nachhaltige Tourismusentwicklung.
Sie verbinden Forschung, Politik und Praxis in einem kontinuierlichen Lernprozess.
Lokale Akteure profitieren von klaren Indikatoren und evidenzbasierten Entscheidungen.
So wird Wissen zu konkretem Handeln – und nachhaltiger Wandel messbar.

Kurzfassung der Studie

Die Studie untersucht, warum nachhaltiger Tourismus trotz umfangreicher Indikatorensysteme weltweit nur unzureichend umgesetzt wird. Sie identifiziert dafür eine zentrale Ursache: die Lücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnisproduktion und ihrer tatsächlichen Nutzung in politischen und praktischen Entscheidungsprozessen. Anhand von drei UNWTO-INSTO-Observatorien (Guanajuato/Mexiko, Algarve/Portugal und Sleman/Indonesien) analysiert die Arbeit, wie Wissen über Nachhaltigkeitsperformance erzeugt, weitergegeben und in Maßnahmen überführt wird. Die Ergebnisse zeigen: Erfolgreiche Umsetzung hängt weniger von der Datenmenge als von Governance-Strukturen, Stakeholder-Einbindung, kontinuierlichem Austausch und lokal angepassten Lösungen ab. Die Observatorien können als Katalysatoren wirken – jedoch nur, wenn sie Wissen nicht nur produzieren, sondern aktiv in dialogorientierte, adaptive Managementprozesse einbetten.

Kernergebnisse der Studie

Die Implementierung nachhaltiger Tourismusstrategien scheitert weniger an fehlenden Daten als an fehlenden Prozessen.
Zwischen wissenschaftlicher Evidenz und politischer bzw. praktischer Anwendung besteht eine deutliche Lücke. Viele Destinationen wissen was gemessen werden sollte, aber nicht wie die Ergebnisse in Entscheidungen übersetzt werden.

Erfolgreicher Wissenstransfer braucht enge Zusammenarbeit zwischen Forschung, Politik und lokalen Akteuren.
Die Studie zeigt, dass reine Datenerhebung im „Top-down“-Modus kaum Wirkung entfaltet. Entscheidend sind kontinuierlicher Austausch, gemeinsame Problemdefinition und die aktive Beteiligung der Stakeholder am gesamten Monitoring- und Entscheidungszyklus.

INSTO-Observatorien können als Katalysatoren wirken – aber nur, wenn sie adaptive, dialogorientierte Prozesse fördern.
Wo Observatorien stark vernetzt sind (z. B. Guanajuato, Sleman), gelingt es besser, Wissen in Maßnahmen zu überführen. Wo der Austausch geringer ist (z. B. Algarve), bleibt die Wirkung bislang limitiert.

Kontextspezifische Lösungen sind entscheidend.
Die drei Fallstudien zeigen, dass lokale Bedingungen – Governance-Strukturen, Ressourcen, bestehende Netzwerke, politische Kultur – maßgeblich beeinflussen, wie Daten genutzt werden und ob nachhaltige Veränderungen entstehen.

Nachhaltigkeitsindikatoren wirken nur, wenn sie in adaptive Managementprozesse eingebettet sind.
Die Studie bestätigt: Monitoring allein reicht nicht. Erst Feedbackschleifen, Lernprozesse und konkrete Umsetzungsschritte ermöglichen Transformation.

Schlüsselwörter

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