F.acT: Welchen Stellenwert hat Barrierefreiheit bei Sportveranstaltungen in Tirol?
Der Stellenwert der Barrierefreiheit an Sportveranstaltungen in Tirol ist mittlerweile um einiges gewachsen und schon auf einem guten Niveau angelangt. Mittlerweile kommt es auch an, dass ohne Inklusion fast nichts mehr möglich ist und das ist auch gut so. Natürlich gibt es immer noch Luft nach oben, jedoch denke ich, dass wir auf einem guten Weg sind. Das Denken über Barrierefreiheit als Veranstalter sollte mittlerweile schon in den Köpfen angelangt und selbstverständlich sein.
F.acT: Inwiefern spielt Tourismus für dich eine treibende Rolle für Barrierefreiheit?
Der Tourismus spielt bei der Barrierefreiheit eine sehr große Rolle. Da ich selbst auch viel unterwegs bin, sehe ich, dass es an vielen Ecken und Enden immer noch etwas zu tun gibt. Tourismus beinhaltet, so finde ich, alles. Denn egal, was man im Ausland macht, man ist Tourist und nutzt Infrastrukturen in jeglichen Bereichen. Ob man eine Veranstaltung besucht, in einer Herberge übernachtet, in öffentliches Gebäude will, die öffentlichen Verkehrsmittel benützt oder ein Restaurant besucht. Wenn eine Familie eine Person mit Beeinträchtigung (egal in welcher Form) dabei hat und eine Region keine barrierefreien Angebote hat, so wird die ganze Familie ausgegrenzt und nicht nur die betroffene Person selbst.
F.acT: Welche Hebel siehst du in deiner Rolle im Land, um die Thematik weiterzuentwickeln?
Meine Hebel beim Land sind hauptsächlich auf den Sportbereich beschränkt. Hier bin ich auch im Umsetzungsteam des TAP = Tiroler Aktionsplan zur Umsetzung der EU-Behinderten-Rechtskonvention. Jedoch funktioniert die Umsetzung hier auch nur im Rahmen der Möglichkeiten bzw. Zuständigkeiten. Einiges wurde schon umgesetzt, einiges ist noch in Bearbeitung, jedoch benötigt es auch etwas Zeit, da Ressourcen fehlen. Aktuell sind wir sehr intensiv an einer Sportstättenerhebung in den Gemeinden dran. Hierzu werden auch Daten zur Barrierefreiheit aufgenommen und diese dann in weiterer Folge veröffentlicht.
F.acT: Inwiefern profitiert auch der Tourismus von einer barrierefreien Sportstrategie?
Nur in der EU leben 24% bis 27% der Menschen über 16 Jahre mit einer Behinderung. Das sind zwischen 90 und 100 Millionen Menschen. Weltweit leben schätzungsweise 1,4 Milliarden Menschen mit einer Behinderung. Wenn es eine barrierefreie Sportstrategie gibt, kommen auch mehr sportbegeisterte Menschen ins Land. Wie schon erwähnt, hier ist nicht nur dieser genannte Personenkreis involviert, sondern sehr oft auch deren Familien und Freunde. Somit könnte man das vervielfachen. Und somit auch die Wertschöpfung in der Region dementsprechend erhöhen.
F.acT: Von welchem Bundesland oder welcher Nation kann man in dieser Thematik noch lernen?
Ich kann kein Bundesland nennen, das speziell eine Vorreiterrolle spielt. Jedoch denke ich, dass sehr viele Nationen schon um einiges weiter sind als wir. In vielen Fällen ist es nicht eine ganze Nation, sondern vermehrt auch regionale Bereiche. In den USA sind einige Bundesstaaten sehr gut aufgestellt. Hier stehen z.B. in Miami oder Kalifornien häufig kostenlose elektrische Strandrollstühle zur Verfügung, inklusive Hilfestellung und öffentlicher barrierefreier WCs. Im Gegensatz zu Österreich gibt es in vielen US-amerikanischen Bundesstaaten keinen so strengen Denkmalschutz in Gebäuden, was wiederum die Anpassung und größere Eingriffe für Umbauten in Fassaden erleichtert, sofern das Bild nach außen nicht zu stark verändert wird. Ähnliche Beispiele gibt es auch in Spanien. Bei Vergnügungsparks kann der Europa-Park Rust in Deutschland genannt werden, wo fast alle Fahrgeschäfte auch für Rollstuhlfahrende zugelassen sind, sofern man selbständig oder mit Hilfe seiner Begleitperson aus- und einsteigen kann. In Norwegen liegt die Sportförderung unter einem Dachverband und somit gibt es keine Trennung von Behindertensport. Unter dem Dachverband sind die einzelnen Sportfachverbände, das Olympische Komitee und das Paralympische Komitee angesiedelt. Dies zeigt sich dann auch in der Praxis. In Sportstadien sind barrierefreie Plätze häufig in der Nähe eines Notausgangs platziert und auch die barrierefreien Toiletten sind in der Nähe angesiedelt. Das System ist damit viel durchdachter.

