Inspiration

Barrieren abbauen - Chancen nutzen

Inklusiver Tourismus in den Regionen Seefeld und Innsbruck

F.act: Wieso haben sich Innsbruck Tourismus und Seefeld dem Thema Barrierefreiheit verschrieben?

Outside a bustling event location, two women smile at the camera, dressed elegantly, embodying a sense of friendship and achievement.

Theresa Geißel & Michaela Kraler: Barrierefreiheit ist für uns kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Tourismusentwicklung. Unser Anspruch als Destinationen ist es, Urlaubserlebnisse so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen daran teilhaben können – unabhängig von körperlichen, sensorischen oder kognitiven Voraussetzungen. In der Europäischen Union lebt rund ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung mit einer Form von Einschränkung. Dazu kommen ältere Gäste oder Familien mit Kinderwagen, für die barrierearme Angebote ebenfalls eine große Rolle spielen. 

Vor diesem Hintergrund verstehen wir Barrierefreiheit sowohl als gesellschaftliche Verantwortung als auch als Chance für den Tourismus. Es geht darum, Hürden sichtbar zu machen und schrittweise abzubauen – in der Infrastruktur ebenso wie in der Kommunikation oder im Service. Unser Ziel ist es, Regionen zu gestalten, in denen sich möglichst alle Gäste willkommen fühlen und ihre Freizeit selbstbestimmt erleben können. Inklusion bedeutet dabei nicht Perfektion, sondern den Willen, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und kontinuierlich zu verbessern.

F.act: Welche wichtigen Erkenntnisse nehmt ihr als Destinationen aus diesem Projekt mit?

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Theresa Geißel & Michaela Kraler:Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Projekt ist, dass Barrierefreiheit weit mehr umfasst als bauliche Maßnahmen. Natürlich sind stufenlose Zugänge oder gut zugängliche Infrastruktur wichtige Voraussetzungen. Gleichzeitig spielen aber auch Faktoren wie auffindbare Informationen, sensibilisierte Mitarbeiter:innen oder eine klare Kommunikation eine große Rolle.

Besonders wertvoll waren daher die Workshops mit touristischen Betrieben, bei denen Teilnehmende Barrieren aus einer neuen Perspektive erleben konnten – etwa im Rollstuhl oder mit Simulationsbrillen für eingeschränkte Sinneswahrnehmung. Diese Selbsterfahrung hat vielen Beteiligten deutlich gemacht, wie kleine Hindernisse im Alltag große Auswirkungen haben können. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass oft schon mit überschaubaren Maßnahmen Verbesserungen möglich sind.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis ist der entstandene Praxisleitfaden für inklusive Gastfreundschaft. Er bündelt Wissen, konkrete Handlungsempfehlungen und Checklisten für touristische Betriebe und soll eine Orientierung bieten, wie Barrierefreiheit Schritt für Schritt umgesetzt werden kann.

F.act: Was ratet ihr anderen Destinationen bzw. Betrieben, die sich aktiv dem Thema Barrierefreiheit widmen möchten?

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Theresa Geißel & Michaela Kraler: Der wichtigste erste Schritt ist, das Thema offen und pragmatisch anzugehen. Barrierefreiheit entsteht selten durch eine einzige große Maßnahme, sondern durch viele kleine Verbesserungen entlang der gesamten Gästereise – von der Information vor der Anreise bis zum Aufenthalt vor Ort. Hilfreich ist es, das Thema gemeinsam mit Expert:innen sowie mit betroffenen Menschen zu betrachten. Der direkte Austausch hilft dabei, Bedürfnisse besser zu verstehen und realistische Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig zeigt die Praxis, dass Sensibilisierung im Team eine entscheidende Rolle spielt: Wenn Mitarbeiter:innen die Herausforderungen von Gästen nachvollziehen können, verändert sich oft auch der Blick auf Service und Kommunikation.

Ein weiterer wesentlicher Punkt ist Transparenz. Gäste mit besonderen Anforderungen planen ihre Reisen sehr bewusst. Klare und verlässliche Informationen zu Zugänglichkeit, Infrastruktur und Angeboten helfen ihnen, eine Destination oder einen Betrieb überhaupt erst in Betracht zu ziehen.

Wichtig ist dabei auch: Es geht nicht darum, sofort zu 100 % barrierefrei zu sein – das ist in der Praxis oft ohnehin kaum vollständig erreichbar. Vielmehr geht es darum, dem Thema offen zu begegnen und Schritt für Schritt Verbesserungen umzusetzen. Betriebe müssen keine Berührungsängste vor dem Thema haben: Jede Maßnahme, auch eine kleine, kann bereits einen großen Unterschied machen.

Unser Rat lautet daher: Einfach anfangen, Erfahrungen sammeln und sich Schritt für Schritt weiterentwickeln. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt, sondern eine langfristige Qualitätsentwicklung – für Gäste ebenso wie für Betriebe und Destinationen.

Michaela Kraler & Theresa Geißel

Michaela Kraler verbindet ihr Studium der Tourismus- und Freizeitwirtschaft am MCI mit mehreren Jahren vielseitiger Erfahrung in unterschiedlichen Bereichen im Tourismus. Sie arbeitet praxisnah und lösungsorientiert an Projekten rund um nachhaltige Produkt- und Angebotsentwicklung in der Region Seefeld.

Mit einem Master-Abschluss in Tourismus und Regionalentwicklung arbeitet Theresa im Bereich der nachhaltigen Destinationsentwicklung. Seit 2022 ist sie Nachhaltigkeitskoordinatorin bei Innsbruck Tourismus und arbeitet im Rahmen der Tourismusstrategie „Region Innsbruck erLEBENSWERT“ an Maßnahmen & Projekten für eine nachhaltigere Destination

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.