Forschung

Die Bereitschaft von Tourist:innen, Kohlenstoffemissionen auszugleichen

Eine systematische Überprüfung empirischer Belege
Publikation: Jaime Blázquez V., Robert Steiger, Eugenio Diaz-Farina and Carmelo J. Leon (2025)
Die geäußerte Bereitschaft von Tourist:innen, ihre Emissionen auszugleichen, ist höher als die tatsächliche Bereitschaft.
Kompensation von Emissionen ist unzureichend, um Emissionsreduktion im Tourismus zu erzielen.
Freiwilligkeit und Glaubwürdigkeit von Kompensationsmaßnahmen schränken deren Wirksamkeit ein.
Politische Maßnahmen werden empfohlen um nachhaltiges Verhalten von Gästen zu steigern.

Kurzfassung der Studie

Zweck:Die freiwillige Kohlenstoffkompensation (Voluntary Carbon Offsetting, VCO) hat sich als ein diskutierter Mechanismus im nachhaltigen Tourismus herauskristallisiert, der es Touristen ermöglicht, ihre Kohlenstoffemissionen auszugleichen. Trotz einer weit verbreiteten geäußerten Bereitschaft zur Teilnahme bleibt die tatsächliche Beteiligung jedoch gering. Ziel dieser Studie ist es, die Einflussfaktoren der Teilnahme an VCO-Programmen sowie die Diskrepanz zwischen der erklärten Bereitschaft zum Emissionsausgleich und der tatsächlichen Beteiligung zu untersuchen.

Design/Methodik/Vorgehen: Gemäß den PRISMA-Richtlinien analysiert diese systematische Überprüfung 27 empirische Studien mit insgesamt 147.087 Teilnehmer:innen. Die Überprüfung fasst die Schlüsselfaktoren zusammen, die die VCO-Teilnahme prägen, einschließlich des sozioökonomischen Status, des Umweltbewusstseins, des Reiseverhaltens und der Glaubwürdigkeit der Kompensationsprogramme.

Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie identifizieren eine anhaltende Kluft zwischen der Bereitschaft von Tourist:innen, Emissionen auszugleichen, und ihrem tatsächlichen Verhalten. Obwohl VCO-Programme das Umweltbewusstsein fördern können, schränken ihre freiwillige Natur und Bedenken hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit ihre Wirkung erheblich ein. Die Ergebnisse legen nahe, dass die alleinige Abhängigkeit von VCOs nicht ausreicht, um substanzielle Emissionsreduktionen zu erzielen. Darüber hinaus könnten ergänzende politische Maßnahmen wie Kohlenstoffabgaben und Standard-Opt-in-Mechanismen dazu beitragen, die Distanz zwischen Umweltschutzabsichten und tatsächlichem Verhalten zu überbrücken.

Empfehlungen: Obwohl ein klarer Unterschied zwischen der Bereitschaft zum Ausgleich von Kohlenstoffemissionen und der tatsächlichen Beteiligung besteht, können Unterschiede in den Studiendesigns, Stichprobengrößen, nationalen Kontexten und der subjektiven Natur der berichteten Verhaltensweisen die Ergebnisse beeinflussen.

Originalität/Wert: Diese Studie bietet eine umfassende Überprüfung der empirischen Belege zur VCO-Teilnahme und bewertet die Zögerlichkeit, sich an freiwilligen Mechanismen zu beteiligen, indem sie die Ergebnisse mit der Konsumentenpsychologie und der Wirksamkeit von Richtlinien verknüpft. Sie liefert umsetzbare Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger, Tourismusbetreiber und Forscher und unterstreicht die Notwendigkeit regulatorischer Eingriffe, um die Wirksamkeit von Strategien zur Kohlenstoffminderung im Tourismus zu steigern.

Kernergebnisse dieser Studie

Anhaltende Diskrepanz zwischen Absicht und Verhalten
Die Studie zeigt eine Kluft zwischen der geäußerten Bereitschaft von Tourist:innen, Kohlenstoffemissionen auszugleichen, und ihrer tatsächlichen Beteiligung. Obwohl eine weit verbreitete geäußerte Bereitschaft zur Teilnahme besteht, bleibt das tatsächliche Engagement gering. Diese Inkonsistenz wirft die kritische Frage auf, ob freiwillige Programme allein ausreichen, um signifikante Emissionsreduktionen im Tourismussektor zu erzielen.

Unzureichende Wirksamkeit freiwilliger Kompensationssysteme
Die Ergebnisse legen nahe, dass die alleinige Abhängigkeit von VCOs nicht ausreicht, um substanzielle Emissionsreduktionen zu erzielen. Das Tourismus-Panel für Klimawandel (TPCC) unterstützt die Ansicht, dass VCOs derzeit keinen sinnvollen Beitrag zur Emissionsreduzierung leisten.

Glaubwürdigkeit und freiwilliger Charakter sind Hauptbarrieren
Die Wirksamkeit von freiwilligen Kompensationsprogrammen wird signifikant durch ihren freiwilligen Charakter und Bedenken hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit begrenzt. Viele Tourist:innen weisen eine negative Haltung gegenüber VCO auf, äußern Skepsis und treffen auf Misstrauen in Bezug auf die Effektivität der Kompensation. 

Die Notwendigkeit ergänzender politischer Maßnahmen 
Die Studie empfiehlt zusätzliche politische Maßnahmen wie Kohlenstoffabgaben oder Standard-Opt-in-Mechanismen, um die Distanz zwischen Umweltschutzabsichten und tatsächlichem Verhalten zu überbrücken. Regulatorische Maßnahmen sind notwendig, um die Effektivität von Minderungsstrategien im Tourismus zu erhöhen und eine größere Verantwortung zu fördern. Solche Eingriffe, insbesondere Standard-Opt-in-Mechanismen, können die Beteiligungsquoten erhöhen, da sie die Kompensation zur mühelosen Wahl machen und die kognitive Dissonanz reduzieren.

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.