F.acT: Wieso ist das Thema für die Tiroler Tourismuswirtschaft relevant?
Vera Weißwange: Ich betrachte das Thema als hochrelevant für die Tiroler Tourismuswirtschaft, weil traditionelle kulturelle Symbole wie Kleidung und Sprache einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Authentizität leisten. Gleichzeitig arbeiten im Gastgewerbe in Tirol viele ausländische Beschäftigte, deren kultureller Hintergrund nicht mit lokalen Traditionen übereinstimmt. Diese Spannung kann Identitätskonflikte erzeugen, die sich auf Arbeitszufriedenheit, Bindung und Qualität im Gästekontakt auswirken. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie solche Konflikte entstehen und wie Betriebe darauf reagieren können.
F.acT: Welches methodische Vorgehen haben Sie in Ihrer Arbeit angewandt?
Vera Weißwange: In meiner Arbeit habe ich ein qualitatives Forschungsdesign gewählt. Ich habe zwölf semi-strukturierte Interviews mit ausländischen Beschäftigten im Tiroler Gastgewerbe durchgeführt. Die Auswertung erfolgte über eine Kombination aus deduktiver und induktiver thematischer Analyse, wodurch sowohl theoretisch fundierte Kategorien als auch neue empirische Erkenntnisse berücksichtigt werden konnten. Als theoretische Grundlage habe ich Elsbachs Identifikationsnarrativ-Theorie herangezogen, um Identifikationsprozesse systematisch zu analysieren.
F.acT: Was sind die Kernergebnisse Ihrer Arbeit und welche Bedeutung haben diese für touristische Destinationen und Betriebe?
Vera Weißwange: Die Ergebnisse zeigen, dass Identitätskonflikte besonders dann auftreten, wenn Mitarbeitende ihr berufliches Selbstbild stark aus ihrer eigenen kulturellen Prägung ableiten und gleichzeitig mit klaren, wenig flexiblen Erwartungen an „authentisches“ Verhalten konfrontiert sind. Dazu zählen etwa Vorgaben zu Kleidung, Sprache oder Auftreten. Zwischen Identifikationsnarrativen und Konflikten besteht dabei eine wechselseitige Beziehung. Konflikte können bestimmte narrative Positionen hervorbringen, während diese Narrative zugleich neue Spannungen erzeugen oder bestehende verstärken.
Für touristische Betriebe und Destinationen bedeutet dies, dass kulturell stark geprägte Arbeitsumgebungen insbesondere für ausländische Beschäftigte anfällig für Identitätsspannungen sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass flexible und unterstützende Strukturen die Identitätsverhandlung erleichtern und damit zu größerer Zufriedenheit und stabileren Arbeitsbeziehungen beitragen.
F.acT: Welche konkreten Handlungsempfehlungen geben Sie in Ihrer Masterarbeit?
Vera Weißwange: Auf Basis meiner Ergebnisse empfehle ich:
- Gezielten Dialog zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden, um kulturelle Erwartungen und Identitätsbedürfnisse offen ansprechen zu können.
- Personalstrategien, die kulturelle Vielfalt aktiv einbeziehen, um Identitätsarbeit bewusster zu gestalten und Konflikte zu minimieren.
Diese Empfehlungen tragen dazu bei, Identitätskonflikte zu reduzieren, Mitarbeitende besser zu unterstützen und die authentische Positionierung Tirols im Tourismus nachhaltig zu sichern.

