F.acT: Wieso ist das Thema für die Tiroler Tourismuswirtschaft relevant?
Sarah Schiffer: Der Klimawandel zeigt sich besonders in alpinen Destinationen, etwa durch veränderte Temperaturen, geringe Schneesicherheit und Gletscherrückgang. Diese Veränderungen wirken sich unmittelbar auf das touristische Angebot aus. Gleichzeitig fehlt vielen Tourist:innen das Bewusstsein und Wissen für diese Thematik.
Oftmals wissen sie allgemein über den Klimawandel und dessen negative Auswirkungen Bescheid, aber es fehlt ihnen an Bewusstsein für den direkten Zusammenhang zwischen ihrem eigenen Verhalten und den Konsequenzen. Destinationen stehen dadurch zunehmend in der Verantwortung, nachhaltige Angebote zu entwickeln und Wissensvermittlung zu fördern.
Klimawanderungen bieten ein Angebot, um Klimaveränderungen unmittelbar sichtbar zu machen, und sie sensibilisieren Tourist:innen für ökologische Zusammenhänge. Da dieses Angebot neu und bisher wenig erforscht ist, besitzt es für die Tiroler Tourismuswirtschaft ein hohes Potenzial in der Zukunft.
F.acT: Welches methodische Vorgehen haben Sie in Ihrer Arbeit angewandt?
Sarah Schiffer: Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich eine qualitative Studie durchgeführt. Dazu führte ich 14 halbstrukturierte Expert:inneninterviews mit Stakeholder:innen aus Alpenregionen, in denen Klimawanderungen bereits umgesetzt werden. Befragt wurden Nachhaltigkeitsmanager:innen, KLAR-Manager:innen, Wanderführer:innen und Biolog:innen aus Regionen wie dem Kaunertal, Saalfelden-Leogang, Seefeld, dem Montafon und dem Alpbachtal. Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte mittels der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz.
F.acT: Was sind die Kernergebnisse Ihrer Arbeit und welche Bedeutung haben diese für touristische Destinationen und Betriebe?
Sarah Schiffer: Die Ergebnisse zeigen, dass Klimawanderungen Wissen besonders effektiv vermitteln, indem sie direkte Naturerfahrungen und sichtbare klimatische Veränderungen wie das Gletscherschmelzen aufzeigen. Durch interaktive Methoden wie etwa das Messen von Wassertemperaturen steigt das Bewusstsein für Klimawandel und ökologische Zusammenhänge. Dabei spielen vor allem die Wanderführer:innen eine bedeutende Rolle, da sie über ihre Vermittlungsmethoden den Lernerfolg beeinflussen.
Herausfordernd bei den Klimawanderungen sind jedoch die geringe Bekanntheit, die fehlende Evaluation nach den Wanderungen sowie die teils abschreckende Wirkung des Begriffs „Klimawanderung“ auf die Teilnehmer:innen.
Für touristische Destinationen bedeutet dies, dass Klimawanderungen ein wirkungsvolles nachhaltiges Angebot darstellen, bei dem Tourist:innen für Klimawandel und ökologische Zusammenhänge sensibilisiert werden sowie das Bewusstsein und die Naturverbundenheit in der touristischen Region gestärkt werden.
F.acT: Welche konkreten Handlungsempfehlungen geben Sie in Ihrer Masterarbeit?
Sarah Schiffer: Meine Handlungsempfehlungen:
Inhalte weiterentwickeln: Erweiterung durch interaktive und digitale Inhalte, z.B. Gamification, Booklets oder Apps.
Bekanntheit steigern: Das Konzept der nachhaltigen Wissensvermittlung der Klimawanderungen stärker in bestehende Tourismusangebote integrieren, z.B. bei einer Biketour.
Veränderung des Begriffs: Alternative Bezeichnungen nutzen, da „Klimawanderung“ häufig abschreckend wirkt.
Kooperationen ausbauen: Weitere Kooperationen, beispielsweise mit schulischen Bildungsnetzwerken oder der lokalen Bevölkerung, um weitere Zielgruppen zu erreichen.

