F.acT: Was versteht man unter dem Trend „Resonanztourismus“? Was steckt hinter diesem Begriff?
Greta Renner: Der Begriff „Resonanztourismus“ bezeichnet eine Reiseform, bei der nicht das rasche Konsumieren von Attraktionen, sondern die Frage „Was willst du erleben?“ im Vordergrund steht. Dabei geht es um ein verändertes Rollenverständnis: Reisende möchten zunehmend nicht als Touristen wahrgenommen werden, die alles „abklappern“, sondern als Gäste, mit denen ein tatsächlicher Austausch entsteht. Resonanztourismus zielt damit auf intensive, authentische und emotional wirksame Erfahrungen ab, die über den Aufenthalt hinaus nachwirken. Kennzeichnend sind Begegnungen mit der lokalen Kultur und Bevölkerung, aber auch die ein bewusstes in Resonanztreten mit der Natur. Das Erlebnis soll nicht im Abarbeiten von Programmpunkten entstehen, sondern in einer Erfahrung, die „hängen bleibt“ und idealerweise eine persönliche Veränderung anstößt. In diesem Kontext sind auch die Makrotrends „Detouristification“ (Abgrenzung vom Tourist:innen-Status) sowie „Slow Travel“ (bewusstes, langsames Reisen sowohl in Mobilität als auch Urlaubs-/Aktivitätengestaltung) einzuordnen.

F.acT: Welche Chancen ergeben sich aus diesem Trend für den Tiroler Tourismus?
Greta Renner: Aus unserer Trends x Zielgruppen Studie (2025) wissen wir, dass Resonanztourismus speziell bei der Reiseplanung für alpine Urlaubsziele in Zukunft eine sehr große Rolle spielen wird, 49% der Befragten am Markt Deutschland geben an, dass sie es als (sehr) wahrscheinlich empfinden, Resonanztourismus im Jahr 2030 in Tirol erleben zu können. Das bedeutet für uns, dass eine gewisse Nachfrage nach dem Trend vorhanden ist, gleichzeitig entspricht der Trend zentralen Stärken Tirols: Naturraum, kulturelle Identität und gelebte Gastfreundschaft bieten gute Voraussetzungen für Angebote, die auf Tiefe statt auf Masse ausgerichtet sind. Aus der Studie folgt ein klarer Handlungsauftrag an Destinationen und Betriebe, Produkte und Services entsprechend weiterzuentwickeln. Darüber hinaus kann Resonanztourismus positive Effekte im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz unterstützen: Wer eine stärkere Beziehung zu Ort, Natur und Menschen aufbaut, geht automatisch anders mit Ressourcen und Umwelt um, als bei kurzen, oberflächlichen Stopps. Ergänzend bietet der Trend Potenzial zur Entzerrung von Besucherströmen und kann gegenüber anderen Destinationen einen Wettbewerbsvorteil darstellen, sofern Authentizität gewahrt bleibt und kulturelle Inhalte nicht kommerzialisiert oder verfälscht werden. Zusätzlich steigen die Anforderungen an die Arbeitskultur: Betriebe sollen Resonanz nicht nur nach außen ermöglichen, sondern auch intern leben.
F.acT: Wo gibt es bereits touristische Angebote dazu?
Greta Renner: Konkrete touristische Angebote im Sinne des Resonanztourismus finden sich insbesondere dort, wo Begegnung, Naturverbindung und bewusste Zeitgestaltung systematisch in Produkte übersetzt werden. Dazu zählen beispielsweise geführte Naturformate, kultur- und communitybasierte Erlebnisse sowie „Slow-Travel“-Pakete mit längerer Aufenthaltsdauer, sanfter Mobilität und reduzierter Programmdichte. Wesentlich ist dabei eine funktionierende Balance zwischen digitaler Buchbarkeit und ausreichend „Offline-Sein“, damit Resonanz vor Ort tatsächlich entstehen kann.

