Kurzfassung der Studie
In dieser Studie wird untersucht, wie individuelle Werte und Persönlichkeitsmerkmale die Nachfolgeabsichten in Familienunternehmen beeinflussen. Durch die Integration des sozioemotionalen Wohlstands (SEW), der Selbstbestimmungstheorie und der Wertetheorie von Schwartz wird das Zusammenspiel zwischen den Werten der Nachfolger:innen, der Familiendynamik und dem Erhalt des Erbes bei der Gestaltung von Nachfolgeprozessen analysiert. Methodisch wurde ein qualitatives Forschungsdesign gewählt, bei dem erzählende Interviews mit zwölf potenziellen oder bereits aktiv beteiligten Nachfolger:innen geführt wurden, um eine tiefe Untersuchung der Werte, Persönlichkeitsmerkmale und psychologischen Bedürfnisse sowie deren Wechselwirkungen mit Faktoren auf Familienebene zu ermöglichen. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Werten wie Selbstbestimmung, Leistung und Wohlwollen sowie von Persönlichkeitsmerkmalen wie Offenheit für Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit für die Nachfolgeabsichten. Diese individuellen Faktoren wirken mit der Familiendynamik zusammen, wobei ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem sozioemotionalen Wohlstand und der Erfüllung psychologischer Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit als entscheidend für gelungene Generationswechsel identifiziert wird. Diese Untersuchung bietet einen neuen Fokus auf die Beweggründe von Nachfolger:innen und bereichert die Fachliteratur, indem sie das Verständnis der individuellen Rolle vertieft und praktische Hilfestellungen für den Prozess des Generationswechsels in Familienunternehmen liefert.
Kernergebnisse dieser Studie
- Bedeutung individueller Werte: Werte wie Selbstbestimmung, Leistung und Wohlwollen beeinflussen maßgeblich die Absicht, ein Familienunternehmen zu übernehmen. Diese persönlichen Orientierungen leiten die Nachfolger:innen bei ihren beruflichen Entscheidungen und Zielsetzungen.
- Einfluss der Persönlichkeit: Merkmale wie Offenheit für neue Erfahrungen und Gewissenhaftigkeit fördern die Bereitschaft zur Nachfolge,. Solche stabilen Charakterzüge helfen dabei, die komplexen Anforderungen einer Führungsposition erfolgreich zu bewältigen.
- Psychologische Grundbedürfnisse: Die Erfüllung der Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit steigert die intrinsische Motivation der Nachfolger:innen. Wenn sie sich fähig und eigenständig fühlen, steigt ihre Bereitschaft zur aktiven Übernahme der Verantwortung.
- Sozioemotionaler Wohlstand: Faktoren wie die emotionale Bindung zur Familie und der Erhalt des Erbes sind zentrale Bestandteile der familiären Entscheidungskultur. Diese nicht-finanziellen Prioritäten prägen die Nachfolgeprozesse oft entscheidender als rein wirtschaftliche Überlegungen.
- Balance als Erfolgsfaktor: Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen familiären Interessen und den individuellen Zielen der Nachfolger:innen ist für gelungene Übergaben entscheidend. Erfolgreiche Generationswechsel gelingen besonders dann, wenn Familientradition und moderne Innovation miteinander vereinbart werden.