Forschung

Bürger:innenbeteiligung im Tourismus

Balance zwischen demokratischer Mitbestimmung und professioneller Destinationsentwicklung
Abschlussarbeit: Anna Strohschneider (2026)

F.acT: Wieso ist das Thema für die Tiroler Tourismuswirtschaft relevant?

Anna Strohschneider: Tourismus ist in Tirol mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Er prägt den Lebensraum, die Infrastruktur, die Nutzung begrenzter Flächen und damit die Lebensqualität der Bevölkerung. Gerade in alpinen Regionen treffen touristische Nachfrage, räumliche Grenzen und lokale Interessen unmittelbar aufeinander. Bürger:innenbeteiligung kann dazu beitragen, lokales Wissen und Anliegen frühzeitig in die Tourismusentwicklung einzubeziehen, Akzeptanz zu fördern und Konflikte rechtzeitig sichtbar zu machen. Ziel ist eine Tourismusentwicklung, die wirtschaftlich erfolgreich, gesellschaftlich legitim und langfristig tragfähig ist. Tourismus ist in Tirol mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Er prägt den Lebensraum, die Infrastruktur, die Nutzung begrenzter Flächen und damit die Lebensqualität der Bevölkerung. Gerade in alpinen Regionen treffen touristische Nachfrage, räumliche Grenzen und lokale Interessen unmittelbar aufeinander. Bürger:innenbeteiligung kann dazu beitragen, lokales Wissen und Anliegen frühzeitig in die Tourismusentwicklung einzubeziehen, Akzeptanz zu fördern und Konflikte rechtzeitig sichtbar zu machen. Ziel ist eine Tourismusentwicklung, die wirtschaftlich erfolgreich, gesellschaftlich legitim und langfristig tragfähig ist. 

F.acT: Welches methodische Vorgehen haben Sie in Ihrer Arbeit angewandt?

Anna Strohschneider: Ich habe eine qualitativ-explorative Interviewstudie durchgeführt, um die Perspektiven unterschiedlicher Akteur:innen auf Bürger:innenbeteiligung im Tourismus zu erfassen. Grundlage waren 18 leitfadengestützte Interviews mit Bürger:innen, lokalen Entscheidungsträger:innen, DMO-Mitarbeitenden sowie Personen aus Beratung und Forschung. Die Auswertung erfolgte mithilfe der Gioia-Methodologie.

F.acT: Was sind die Kernergebnisse Ihrer Arbeit und welche Bedeutung haben diese für touristische Destinationen und Betriebe?

Anna Strohschneider: Die zentrale Erkenntnis ist: Beteiligung wirkt nicht allein dadurch, dass sie stattfindet. Sie muss frühzeitig, transparent und institutionell verankert organisiert sein. Außerdem muss nachvollziehbar sein, wie mit Beiträgen aus der Bevölkerung umgegangen wird. Andernfalls kann sie Frustration oder Misstrauen verstärken.

Zudem ist nicht maximale Mitentscheidung entscheidend, sondern eine zum Thema passende Beteiligungstiefe. Mitsprache und beratende Mitgestaltung sind meist die geeignete Grundform; verbindliche Mitentscheidung ist vor allem bei hoher direkter Betroffenheit und klar geregelten Zuständigkeiten sinnvoll.

Für Destinationen bedeutet das, Beteiligung als Teil einer tragfähigen Governance zu gestalten. Für Betriebe ist sie relevant, weil sie lokales Wissen, Akzeptanz und Hinweise auf mögliche Konflikte in die touristische Entwicklung einbringen kann.

F.acT: Welche konkreten Handlungsempfehlungen geben Sie in Ihrer Masterarbeit?

Anna Strohschneider: Aus meiner Arbeit lassen sich vier Handlungsempfehlungen ableiten: 

Beteiligung projektbezogen planen: Bereits vorab sollte geklärt werden, welches Thema welche Beteiligungstiefe braucht. Mitsprache ist meist die Regel. Verbindliche Mitentscheidung eignet sich vor allem bei hoher Betroffenheit und klaren Zuständigkeiten.

Repräsentative Teilnahme aktiv fördern: Es reicht nicht, Beteiligung einfach offen anzubieten. Auch weniger sichtbare oder schwer erreichbare Gruppen sollten gezielt angesprochen werden, damit nicht nur laute oder gut vernetzte Stimmen den Prozess bestimmen. 

Fachwissen verständlich aufbereiten: Komplexe Themen wie Mobilität, Besucherlenkung, Finanzierung oder Nachhaltigkeit sollten mit verständlichen Informationen, Visualisierungen und neutral moderierten Dialogformaten vermittelt werden.

Verbindlich rückkoppeln: Nach Beteiligungsprozessen sollte transparent dargestellt werden, welche Vorschläge übernommen, verändert oder abgelehnt wurden. Inklusive Begründung und nächstem Umsetzungsschritt.

Anna Strohschneider

Anna Strohschneider stammt aus dem Tegernseer Tal. Nach ihrem Bachelorstudium in „Tourismusmanagement“ an der HS Kempten im Allgäu absolvierte sie den Master „Entrepreneurship und Tourismus“ mit dem Schwerpunkt „Strategisches Management und Tourismus“ am MCI.

Ihre touristische Begeisterung entwickelte sie seit ihrer Jugend durch ihre Tätigkeit in der Gastgewerbebranche. Berufliche Erfahrungen sammelte sie in einer Onlinemarketing-Agentur, im Destinationsmanagement in Bad Reichenhall und in der Tourismusentwicklung bei der Regionalentwicklung Oberland. Seit Oktober 2026 ist Anna Strohschneider als Dissertantin am MCI tätig.

Anna Strohschneider auf LinkedIn

Masterarbeit Betreuung: Monica Nadegger, PhD

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