Forschung

Bewertung der Umsetzung von Ortsmarkenidentität

Bewertungsmodell für dynamische Kontexte
Am Beispiel der Fallstudie "Vision Naturno 2030+" entwickelt die Studie ein neues Bewertungsmodell, um die tatsächliche Umsetzung einer Ortsmarkenidentität über Governance, Strategiedokumente, Medien und Stakeholder-Wahrnehmungen hinweg systematisch zu analysieren und zu überprüfen.
Davide Maffei, Günther Botschen, Kurt Promberger & Josef Bernhart (2026)
Die Studie zeigt eine hohe Übereinstimmung der strategischen Planungsdokumente und Projekte Naturns mit den Kernwerten der formulierten Ortsmarkenidentität.
Die Evaluierung deckte jedoch auch klare Defizite auf, primär in der öffentlichen Kommunikation, der nachhaltigen Tourismus-Governance sowie beim Thema bezahlbarer Wohnraum.
Mehr als 83% der Befragten kennen die Vision, und wer sie kennt, nimmt die Vorteile für das Zusammenleben deutlicher wahr. Die Social-Media_Kanäle konzentrieren sich stark auf Natur- und Outdoor-Themen.
Es wurde ein Modell entwickelt, das Daten aus vier Bereichen miteinander vergleicht. Damit können Orte überprüfen, wie gut die Markenidentität umgesetzt wird und Strategien anpassen.

Kurzfassung dieser Studie

Die Studie stellt ein neues Prüfmodell vor, mit dem Orte kontrollieren können, wie gut ihre entwickelte Identität und Vision im Alltag tatsächlich gelebt und umgesetzt wird. Als Praxistest dient die Südtiroler Gemeinde Naturns mit ihrer “Vision Naturno 2030+”.

Um einen möglichst genauen Blick auf die Praxis zu erhalten, kombiniert das Modell vier verschiedene Informationsquellen:

  • Gespräche mit Führungskräften aus der Kommunalpolitik
  • Eine Befragung der Einwohner:innen
  • Eine Analyse der offiziellen Social-Media-Kanäle
  • Eine Überprüfung der offiziellen Strategie- und Planungsdokumente der Gemeinde

Die Ergebnisse aus Naturns zeigen, dass die offiziellen Pläne der Gemeinde bereits sehr gut zur formulierten Vision passen. Es wurden jedoch auch Schwachstellen aufgedeckt - vor allem bei der laufenden Information der Öffentlichkeit und bei der Ausrichtung des Tourismus. Das entwickelte Modell hilft der Gemeinde, solche Lücken frühzeitig zu erkennen und ihre Maßnahmen flexibel anzupassen.

Bisher fehlten in der Wissenschaft praxistaugliche Werkzeuge, um die Umsetzung von Ortmarken im Laufe der Zeit systematisch zu messen. Diese Studie schließt diese Lücke und zeigt vor allem ländlichen sowie Tourismus geprägten Orten, wie sie ihre Entwicklung dauerhaft und gemeinsam mit den Menschen vor Ort überprüfen können.

Kernergebnisse dieser Studie

  • Gute Übereinstimmung in der Politik: Die offizielle Politik und die Strategiepapiere der Gemeinde stimmen bereits sehr gut mit den Grundwerten der entwickelten Dorf-Vision überein.
  • Noch offene Baustellen: In manchen Bereichen wie der Tourismussteuerung, beim bezahlbarem Wohnraum und bei der öffentlichen Information zeigen sich jedoch noch deutliche Lücken.
  • Hohe Bekanntheit bei den Menschen: Mehr als 83& der befragten Einwohner:innen kennen die Vision, was direkt mit einer positiveren Wahrnehmung des gesellschaftlichen Zusammenlebens zusammenhängt.
  • Fokus auf Natur in den Medien: Die offiziellen Social-Media-Kanäle der Gemeinde zeigen vor allem Natur- und Outdoor-Inhalte, während Themen wie Gemeindeverwaltung und Ortsplanung dort kaum sichtbar sind.
  • Ein Modell aus vier Blickwinkeln: Das neu entwickelte Prüfmodell vergleicht systematisch vier Datenquellen: Gespräche mit Politiker:innen, Befragungen der Bevölkerung, Social-Media und offizielle Dokumente.
  • Werkzeug für die Zukunft: Diese Methode erweitert bisherige Theorieansätze und ermöglicht es Orten, die Umsetzung ihrer Identität im Laufe der Zeit dauerhaft zu überprüfen und flexibel anzupassen.

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.