Kurzfassung dieser Studie
Tourismusdestinationen müssen den Übergang zur Klimaneutralität vollziehen, ohne ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden. Indem die Wettbewerbsfähigkeit von Destinationen als Ergebnis von Nachhaltigkeitstransformationen betrachtet wird - bei denen ökologische, soziale und Governance-Verbesserungen Wettbewerbsvorteile durch Kostenresilienz, Marktdifferenzierung und glaubwürdige Nachhaltigkeitssignale schaffen -, untersucht diese Studie das österreichische Programm der Klima- und Energie-Modellregionen (KEM) in zwei touristischen Gebieten. Ein Logikmodell-Framework (Input-Aktivitäten-Output-Outcomes-Impacts) analysiert, wie Programmdesign und kollaborative Goverance zu Nachhaltigkeitsergebnissen und der Wettbewerbsfähigkeit auf Destinationsebene beitragen.
Es wird ein qualitativer Fallstudienansatz zur Programmevaluierung angewendet. 25 teilstrukturierte Interviews mit KEM-Stakeholdern wurden mittels thematischer Analyse ausgewertet. Soweit verfügbar, erfolgte eine Triangulation mit Programmdokumenten und Aufzeichnungen aus den Projekten. Die Studie ordnet die KEM-Outputs, -Outcomes und -Impacts internationalen Nachhaltigkeits- und Wettbewerbsrahmenwerk zu.
Die KEM-Inputs (z. B. nationale Ko-Finanzierung, dediziertes regionales Personal, Programmentwicklungsinstrumente/Toolkits) ermöglichen Aktivitäten (z. B. Einbindung von Stakeholdern, Energieaudits, Beschaffungsunterstützung, Schulungen), die konkreten Outputs hervorbringen (z. B. Photovoltaikanlagen, Umweltzertifizierungen) und in der Folge relevante Outcomes und Impacts für die Destinationen erzielen. Outcomes umfassen eine verringerte Belastung durch Energiekosten, Emissionsreduzierungen, verbesserte Barrierefreiheit sowie eine stärkere Ausrichtung zwischen Bevölkerung und Betrieben. Zu den Impacts gehören ein klareres Nachhaltigkeitsbranding, eine höhere Resilienz gegenüber Energischocks, der Erhalt des Kulturerbes und ein gesteigertes Wohlbefinden der Gemeinschaft.
Die Arbeit entwickelt das Schnittfeld von Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit weiter, indem sie eine auf einem Logikmodell basierende Bewertung der Auswirkungen eines nationalen Klima- und Energieprogramms auf Destinationsebene liefert. Durch die Ableitung operationalisierbarer Indikatoren aus der Wettbewerbsliteratur und deren Validierung anhand triangulierter qualitativer Evidenz bietet die Studie ein übertragbares Monitoring-Template, das die Beziehung zwischen Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit für andere Destinationen im Nachhaltigkeitswandel nutzbar macht.
Kernergebnisse dieser Studie
- Institutionelle Rahmenbedingungen: Stabile, mehrjährige Ko-Finanzierung und engagierte regionale KEM-Koordinator:innen bilden das notwendige Fundament, um Klimaschutzmaßnahmen erfolgreich über Akteurgrenzen hinweg umzusetzen.
- Greifbare Outputs in der Region: Durch das Programm entstehen konkrete Deliverables wie Photovoltaikanlagen, Öko-Zertifizierungen, vernetzte Mobilitätslösungen und Barrierefreiheits-Upgrades.
- Kostenresilienz: Effizienzmaßnahmen und eine gesteigerte Eigenversorgung senken die laufenden Betriebskosten der Unternehmen und erhöhen deren wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit.
- Risikominimierung: Eine reduzierte Abhängigkeit von Energiepreisschwenkungen und Nachfragerisiken verringert die Anfälligkeit der Destinationen gegenüber externen Krisen und Schocks.
- Marktdifferenzierung: ein glaubwürdiges Nachhaltigkeitsbranding in Verbindung mit dem Erhalt des lokalen Kulturerbes ermöglicht eine klare Positionierung und Abhebung vom Mitbewerb.
- Soziale Akzeptanz (Social License to Operate): Die Stärkung des lokalen Wohlbefindens und die Einbindung der Bevölkerung sorgen für eine langfristige Abstimmung zwischen Anwohner:innen und Tourismusbetrieben.