Kurzfassung dieser Studie
Nachhaltigkeit ist zu einem wichtigen Faktor im Tourismus geworden, doch ihr tatsächlicher Einfluss auf die Wahl des Reiseziels ist im Vergleich zu herkömmlichen Merkmalen noch nicht vollständig erfasst. Diese Studie nutzt einen analytischen und operativen Rahmen, um ökologische, soziokulturelle und ökonomische Nachhaltigkeitsmerkmale mit klassischen Attributen bei der Entscheidung für einen Sommerurlaub zu vergleichen. Die Analyse basiert auf einer Stichprobe von 2.098 Befragten aus Österreich.
Die Studie verwendet ein MaxDiff-Eyperiment, um individuelle Wichtigkeitswerte für 18 Attribute - sowohl für nachhaltige als auch für klassische Faktoren - abzuleiten. Insgesamt zeigt sich, dass klassische Attribute wie Landschaft, Klima, Preis-Leistung-Verhältnis schwerer wiegen als Nachhaltigkeitsbedenken, während innerhalb der nachhaltigen Attribute soziokulturelle Faktoren eine höhere Bedeutung genießen.
Nach dem Motto “aus den Augen, aus dem Sinn” werden Merkmale dann höher bewertet, wenn sie für Tourist:innen greifbar sind (wie Landschaften), im Gegensatz zu “unsichtbaren” Faktoren wie Ökostrom. Eine Clusteranalyse identifizierte drei Tourist:innen-Profile:
- Ein traditionelles Cluster (44,85%), das sich auf klassische und vertraute Erlebnisse konzentriert
- Ein umweltfreundliches Cluster (38,23%), das nachhaltige Mobilität priorisiert
- Ein ausgewogenes Cluster (16,92%), die ökologische Nachhaltigkeit mit ausgeprägtem kulturellem Bewusstsein schätzt und weniger Wert auf Preisgünstigkeit legt
Die Diskriminanzanalyse ergab, dass die Wahl der Verkehrsmittel, Unterkunftsarten, Freizeitaktivitäten und das Einkommensniveau die Unterschieden zwischen den Clustern maßgeblich bestimmen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziokulturelle Nachhaltigkeitsaspekte höher rangieren als ökologische Mobilitätsoptionen und Premium-Erlebnissen angesprochen werden könnten, welche die lokale Kultur und Natur schützen.
Kernergebnisse dieser Studie
- Dominanz klassischer Faktoren: Herkömmliche Kriterien wie die Landschaft, das Klima und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis sind für die Wahl des Reiseziels deutlich entscheidender als Nachhaltigkeitsaspekte
- Priorität soziokultureller Nachhaltigkeit: Innerhalb der Nachhaltigkeitsdimensionen stufen Urlauber:innen soziokulturelle Faktoren, insbesondere Vermeidung von Überfüllung und die Gastfreundschaft, als am wichtigsten ein
- Die Sichtbarkeits-Lücke ("Visibility-Gap"): Nachhaltigkeitsmerkmale werden vor allem dann geschätzt, wenn sie für Tourist:innen direkt sichtbar und greifbar sind (z. B. intakte Natur), während “unsichtbare” Infrastruktur wie Ökostrom kaum ins Gewicht fällt
- Drei unterschiedliche Urlauber-Profile: Die Studie identifiziert eine traditionell orientierte Mehrheit, eine umweltbewusste Gruppe mit Fokus auf nachhaltige Mobilität und ein einkommensstarkes Segment, das Wert auf die Kombination von Ökologie und Kultur legt
- Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil: Obwohl sie oft zweitrangig ist, kann eine starke Nachhaltigkeitsleistung als entscheidendes Differenzierungsmerkmal dienen, wenn sich Reiseziele in ihren klassischen Angeboten stark ähneln