Forschung

Jenseits des Profits: Wie Familienunternehmen ethische und verantwortungsvolle Führung verankern

Empirische Erkenntnisse aus der gehobenen Familienhotellerie
Auf der Grundlage von Expert:innen-Interviews verdeutlicht die Studie, wie tradierte Werte und vertrauensvolle Netzwerke ein dauerhaftes moralisches Handeln im Betriebsalltag sichern.
Publikation: Marvin Assenmacher, Desiree Wieser, Anita Zehrer, Ariane Pfitscher (2026)
Generationenübergreifendes Denken und langfristige Orientierung sichern den Erhalt der Unternehmenssubstanz.
Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben hält die Wertschöpfung direkt in der Region.
Kommunikation auf Augenhöhe und Einbeziehung der Beschäftigten fördern die betriebliche Innovationskraft.
Der Erhalt sozioemotionalen Reichtums prägt Unternehmensentscheidungen über rein ökonomische Ziele hinaus.

Kurzfassung der Studie

Ethische und verantwortungsvolle Führung gilt als zentraler Ansatz, um unternehmerische Entscheidungen langfristig an gesellschaftlichen und moralischen Maßstäben auszurichten. Während die bestehende Forschung vor allem normative Grundlagen und individuelle Merkmale untersucht, ist bislang unzureichend geklärt, wie ethische Führung nachhaltig in Organisationen verankert werden kann.
Auf der Grundlage von leitfadengestützten Interviews mit Führungskräften und Hoteliers familiengeführter Vier- und Fünf-Sterne-Hotels werden in dieser Studie fünf zentrale Dimensionen identifiziert: langfristige Orientierung, eine wertebasierte Kultur, Stakeholder:innen-Orientierung, familiärer Einfluss sowie eine innovations- und partizipationsorientierte Umsetzung.
Durch die Verbindung von sozioemotionalem Reichtum (motivationale Dimension) und Sozialkapitaltheorie (relationale Dimension) wird in dieser Studie analysiert und diskutiert, wie ethische Führung dauerhaft in Familienunternehmen verankert ist.

Kernergebnisse dieser Studie

  • Langfristige Orientierung: Die Studie identifiziert eine langfristige Ausrichtung und generationenübergreifendes Denken als zentrale Pfeiler ethischer Führung. Unternehmerische Entscheidungen fokussieren sich dabei nicht auf kurzfristige Gewinnerzielung, sondern sichern den dauerhaften Fortbestand des Betriebes.
  • Wertebasierte Unternehmenskultur: Eine wertegetriebene Kultur verankert Prinzipien wie Vertrauen, Harmonie und Nachhaltigkeit fest im Alltag der Hotels. Diese Orientierung leitet alltägliche Entscheidungen nach moralischen Maßstäben aus und verhindert die Ausbeutung von Ressourcen.
  • Stakeholder-Orientierung und regionale Verwurzelung: Ethische Führung setzt auf die Pflege lokaler Netzwerke sowie auf eine starke Bindung der Mitarbeitenden. Durch die bevorzugte Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben bleibt die Wertschöpfung direkt in der Region.
  • Familiärer Einfluss und Prägung: Der familiäre Hintergrund prägt das Führungsverhalten maßgeblich durch Werteübertragung, Erziehung und generationenübergreifenden Austausch. Das Bestreben, den sozio-emotionalen Reichtum der Familie zu bewahren, verstärkt die Verpflichtung zu verantwortungsvollem Handeln.
  • Partizipative und innovative Umsetzung: Die praktische Umsetzung verbindet eine offene Kommunikation auf Augenhöhe mit partizipativen Innovationsprozessen. Durch die Einbindung aller Beschäftigten entstehen kreative Ideen und Anpassungsfähigkeit auf sämtlichen Organisationsebenen.

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