Forschung

Risikowahrnehmung in kleinen und mittleren gastgewerblichen Familienunternehmen

Publikation: Gundula Glowka, Robert Eller, Mike Peters & Anita Zehrer (2024)
Die Wahrnehmung von Risiken ist in gastgewerblichen Familienunternehmen ist unterschiedlich.
Proaktive Unternehmen sehen Herausforderungen als Chance für Innovation und Nachhaltigkeit.
Resilienz-orientierte Unternehmen verbinden Innovationsbereitschaft eng mit der Destinationsentwicklung.
Passive Familienunternehmen neigen dazu, Investitionen und Innovationen aufzuschieben.

Kurzfassung der Studie

Zweck:Die Anfälligkeit der Tourismusbranche für eine Vielzahl von Risiken – darunter familienbezogene, KMU-spezifische, strategische, tourismusspezifische und externe Faktoren – prägt das Umfeld, in dem kleine und mittlere Familienunternehmen (KMFUs) agieren. Obwohl KMFUs wichtige Akteure im dynamischen Tourismussektor sind, stellen sie keine homogene Gruppe dar, sondern verfolgen unterschiedliche strategische Ausrichtungen. Diese Studie untersucht das Zusammenspiel zwischen strategischer Orientierung und Risikowahrnehmung, um besser zu verstehen, wie diese Wahrnehmung die Entscheidungsprozesse, die Resilienz und das langfristige Überleben der Unternehmen beeinflusst.

Design/Methodik/Ansatz: Basierend auf einem qualitativen Datensatz aus 119 persönlichen Interviews wendeten die Autor:innen verschiedene Kodierungsrunden an, um die Beziehung zwischen Strategie und Risiko besser zu verstehen. Zunächst wurden drei Gruppen strategischer Ausrichtung identifiziert: proaktive und nachhaltigkeitsorientierte KMFUs, destinationsbejahende und resilienzorientierte KMFUs sowie passive KMFUs. Anschließend wurden die Interviews im Hinblick auf verschiedene identifizierte Risiken kodiert.

Ergebnisse:Die Daten zeigen deutliche Unterschiede in der Risikowahrnehmung der drei Gruppen. Proaktive und nachhaltigkeitsorientierte KMFUs priorisieren Geschäftsrisiken und zeigen eine Neigung zu Innovation und Nachhaltigkeit. Destinationsbejahende und resilienzorientierte KMFUs nehmen ein breiteres Spektrum an Risiken wahr, verknüpfen ihre Investitionen mit der Entwicklung der Destination, betonen Familien- und Gesundheitsrisiken und navigieren durch Wettbewerbsdruck. Passive KMFUs sind primär um externe Risiken besorgt, zeigen ein begrenztes Bewusstsein für interne und strategische Risiken, widersetzen sich Veränderungen und übertragen Entscheidungen oft auf Nachfolger:innen.

Forschungslimitierungen/Implikationen: Die Autor:innen tragen zum bestehenden Wissen bei, indem sie einen umfassenden Status quo der wahrgenommenen Risiken für verschiedene strategische Ausrichtungen bieten – ein Bereich, der bisher kaum erforscht wurde. Zudem legen die Unterschiede in der Risikowahrnehmung nahe, dass vereinfachte Modelle, welche die subjektive Wahrnehmung ignorieren, für politische Empfehlungen und das Verständnis der Branchendynamik unzureichend sein könnten.

Praktische Implikationen: Die unterschiedlichen Ausrichtungen verdeutlichen die Vielfalt innerhalb der KMFUs. Das Erkennen dieser Unterschiede ermöglicht zielgerichtete Interventionen, die auf die spezifischen Anliegen jeder Gruppe eingehen und so die Resilienz der Unternehmen und eine nachhaltige Destinationsentwicklung fördern können. Die Autor:innen schlagen praktische Unterstützung für Destinationsmanagementorganisationen und die regionale Politik vor, insbesondere um das Risikomanagement passiver KMFUs zu stärken.

Soziale Implikationen: Da Tourismusdestinationen komplexe Stakeholder-Netzwerke sind, kommt die Aufdeckung unterschiedlicher Risikolandschaften der gesamten Destinationsentwicklung zugute. Proaktive KMFUs sind besonders relevant, da sie die Destination durch innovative Geschäftsmodelle vorantreiben können, während passive KMFUs die Entwicklung (z. B. durch fehlende Innovation oder ungeklärte Nachfolge) behindern könnten.

Originalität/Wert: Während bisherige Studien oft spezifische Risiken (wie Klimawandel oder COVID-19) isoliert untersuchten, zeigt diese Arbeit, dass SMFEs diese Risiken nicht zwangsläufig gleichermaßen wahrnehmen. Vielmehr korreliert die Risikowahrnehmung mit der strategischen Ausrichtung, was ein neues Feld für die Forschung zur Entscheidungsfindung und Resilienz von Tourismusakteuren eröffnet.

Kernergebnisse dieser Studie

Strategische Ausrichtung bestimmt Risikowahrnehmung: Die Wahrnehmung von Risiken ist in gastgewerblichen Familienunternehmen nicht einheitlich, sondern hängen direkt mit der jeweiligen strategischen Orientierung der Eigentümer:innen zusammen.

Proaktive Betriebe fokussieren Geschäftsrisiken: Diese durch die Studie definierte Grumme innerhalb der KMFUs priorisiert unternehmerische Risiken und sieht Herausforderungen wie den Klimawandel eher als Chance für Innovation und nachhaltige Geschäftsmodelle.

Resilienz-orientierte Betriebe blicken auf die Destination als Gesamtes: Sie nehmen ein besonders breites Spektrum an Risiken wahr (einschließlich Familie und Gesundheit) und verknüpfen ihre Investitionsbereitschaft eng mit der Entwicklung des Standorts.

Passive Betriebe externalisieren Risiken: Diese Unternehmen sorgen sich primär um externe Faktoren (z. B. Politik, Gesetze), vernachlässigen interne oder strategische Risiken und neigen dazu, Investitionen und Innovationen aufzuschieben.

Glossar

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