Kurzfassung dieser Studie
Die Studie bildet die Selbstdarstellungsstrategien in Reise-Selfies von Tourist:innen auf Social Media ab. Insgesamt wurden 80 Indikatoren über 13 Kernattribute der visuellen Selbstdarstellung identifiziert, darunter Hintergrund, Komposition und Perspektive, Stil und Ästhetik, emotionaler und gesichtlicher Ausdruck sowie das Erscheinungsbild.
Mittels Archetypen-Analyse wurden zehn Selbstdarstellungsstrategien ermittelt:
- Explorative Reflexion
- Enthüllung von Privatsphäre
- Geschmackvoller Optimismus
- Neue Horizonte
- Stil-Entdeckung
- Selbstbewusste Mobilität
- Anmutige Befreiung
- Visionäre Weisheit
- Urbane Freude
- Natürliche Glückseligkeit
Diese Strategien verkörpern unterschiedliche Eigenschaften, Motivationen und Verhaltensweisen der Selbstdarstellung. Die Studie erweitert das theoretische Verständnis von Ansätzen zur Tourist:innen-Segmentierung und bietet handlungsorientierte Orientierungshilfen für das Tourismusmarketing, um Dienstleistungen und Angebote auf die Selbstdarstellung von Tourist:innen auszurichten, anstatt diese lediglich in starr vorgegeben Kategorien einzuteilen.
Kernergebnisse dieser Studie
- Identifikation von 80 visuellen Indikatoren: Die Studie identifizierte 80 Indikatoren in 13 Attributen über fünf Kerndimensionen der visuellen Selbstdarstellung in Reise-Selfies.
- Entwicklung von zehn digitalen Archetypen: Mithilfe der Archetypen-Analyse wurden zehn spezifische visuelle Selbstdarstellungsstrategien ermittelt, welche die vielfältigen Motivationen und Verhaltensweisen von Reisenden abbilden.
- Einführung einer flexiblen Mixed-Membership-Segmentierung: Das entwickelte Modell zeigt, dass Touristen nicht in geschlossene, starre Kategorien fallen, sondern je nach Situation und Bild unterschiedliche Selbstdarstellungsstrategien flexibel kombinieren.
- Fokusverschiebung vom Reiseziel auf das digitale Ich: Das Reiseziel dient auf Fotos häufig nur noch als untergeordnete Kulisse oder Requisite, was den Attraction-Shading-Effekt belegt und den Wandel vom traditionellen touristischen Blick hin zur Inszenierung der eigenen digitalen Identität verdeutlicht.
- Widerlegung von Altersstereotypen: Die Ergebnisse stellen klassische altersbezogene Stereotype infrage, da ältere Reisende das digitale Umfeld gezielt nutzen, um rebellische, mutige und individuelle Identitäten zu verkörpern.
- Praktische Handlungsleitfäden für das Tourismusmarketing: Anstatt Personen starr zu kategorisieren, liefert die Studie konkrete Ansätze für die Gestaltung von Angeboten, Räumen und Marketingkampagnen, die auf die visuellen Selbstdarstellungsbedürfnisse von Tourist:innen abgestimmt sind.