Forschung

Klimaresiliente Entwicklung in Österreich: Schocks, Politikstrategien und Reaktionen

Die Studie analysiert anhand österreichischer Fallbeispiele zu Hochwasser, Dürre und der COVID-19-Pandemie, ob externe Schocks den Weg in eine klimaresiliente Zukunft ebnen können. Es zeigt sich jedoch, dass solche Ereignisse zwar kurzfristige Anpassungen bewirken, aber aufgrund mangelnder politischer Koordination und fragmentierter Zuständigkeiten kaum zu einem tiefgreifenden systemischen Wandel führen. Für eine echte Transformation sind laut der Untersuchung daher verbindlichere, sektorübergreifende Strategien und eine bessere Abstimmung zwischen Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen notwendig.
Publikation: Claudia Winkler, Sebastian Seebauer, Sabrina Dreislebner-Lanz, Thomas Thaler, Hermine Mitter, Eva Posch, Theresa Gorbach, Robert Steiger, Bernadette Kropf (2026)
Externe Schocks wie Hochwasser oder Pandemien führen zwar zu kurzfristigen Anpassungen, bewirken aber entgegen theoretischer Erwartungen keinen tiefgreifenden systemischen Wandel hin zu klimaresilienten Entwicklungspfaden.
Die Förderung von Klimaresilienz scheitert in der Praxis primär an unterschiedlichen Branchenblickwinkeln, mangelnder horizontaler Koordination sowie einer unzureichenden Verknüpfung von Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen.
Klimarelevante Reaktionen betroffener Einzelpersonen resultieren meist aus Eigeninitiative und persönlichen Bedürfnissen und werden kaum durch bestehende politische Steuerungs- oder Förderinstrumente ausgelöst.
Eine erfolgreiche Transformation erfordert verbindlichere, sektorübergreifende Strategien, eine stärkere regionale Differenzierung sowie eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Entscheidungsebenen.

Kurzfassung dieser Studie

Laufende und zukünftige Auswirkungen des Klimawandels erfordern eine klimaresiliente Entwicklung, die Anpassungs- und Minderungsansätze integriert. Klimatische und nicht-klimatische Schocks, bei denen es sich um seltene und externe Ereignisse handelt, könnten transformative Veränderungen fördern und die Klimaresilienz effektiv verbessern. Dem Konzept der klimaresilienten Entwicklungspfade (Climate Resilient Development Pathways, CRDPs) des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) folgend, nutzt die Studie Dokumentenanalysen sowie semistrukturierte Interviews mit 41 Stakeholdern und 46 betroffenen Einzelpersonen, um drei Fallbeispiele in Österreich zu untersuchen: die Umsiedlung von Wohngebäuden nach einem Hochwasser, das landwirtschaftliche Wassermanagement während einer mehrjährigen Dürre und Tourismusinvestitionen während der COVID-19-Pandemie.

Die Fallstudien verfolgen politische Strategien und individuelle Reaktionen über drei Phasen: Strategieentwicklung vor dem Schock, Strategieanwendung während des Schocks und Strategieauswirkungen nach dem Schock. Die Untersuchung ergab, dass bestehende politische Strategien die Probleme zwar kurzfristig beheben oder lindern können, aber keinen Einstieg in klimaresiliente Entwicklungspfade fördern. Mehrere Strategien wurden zwar angepasst, um Betroffene zu unterstützen, wurden jedoch durch die Schocks nicht grundlegend transformiert.

Politische Strategien scheitern meist an der Förderung von Klimaresilienz aufgrund von unverbundenen Entscheidungsebenen, unterschiedlichen Branchenblickwinkeln und einem Mangel an horizontaler politischer Koordination. Wenn Einzelpersonen Maßnahmen umsetzen, die sowohl für die Anpassung als auch für den Klimaschutz wirksam sind, tun sie dies aus eigenem Antrieb und nicht aufgrund spezifischer politischer Instrumente. Schocks erweisen sich somit nicht als klare Meilensteine auf dem Weg zu klimaresilienten Entwicklungspfaden. Zukünftige klimaresiliente Strategien sollten daher verbindliche Regelungen, regionale Differenzierung und Flexibilität für individuelle Bedürfnisse beinhalten.

 

Kernergebnisse dieser Studie

  • Externe Schocks wie Hochwasser oder Dürren fungieren nicht als automatische Katalysatoren für einen tiefgreifenden systemischen Wandel. Zwar lösen sie kurzfristige Anpassungsreaktionen aus, doch sie führen ohne begleitende strukturelle Änderungen nicht zum Einstieg in langfristig klimaresiliente Entwicklungspfade.
  • Die Aufteilung von Politikbereichen und mangelnde Koordination zwischen den Entscheidungsebenen behindern den Fortschritt massiv. Oft agieren Verwaltungsstellen isoliert in ihren jeweiligen Sektoren, wodurch notwendige Synergien zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung weitgehend ungenutzt bleiben.
  • Klimarelevante Handlungen betroffener Einzelpersonen entspringen meist der eigenen Motivation und nicht gezielten politischen Anreizen. Viele Maßnahmen werden unabhängig von spezifischen Instrumenten umgesetzt, während bestehende Förderungen häufig nur als Mitnahmeeffekte für ohnehin geplante Projekte dienen.
  • Eine erfolgreiche Transformation benötigt verbindlichere Rahmenbedingungen und eine stärkere Berücksichtigung regionaler sowie individueller Bedürfnisse. Zukünftige Strategien müssen sektorübergreifend abgestimmt sein und flexiblere, passgenaue Lösungen bieten, um die Resilienz gegenüber künftigen Krisen nachhaltig zu stärken.
Glossar

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