F.acT: Was genau steckt hinter der EmpCo-Richtlinie?
Katrin Erben: Die EmpCo-Richtlinie (Empowering Consumers for the Green Transition) ist eine EU-Richtlinie, die Verbraucher:innen besser vor irreführenden Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen schützen soll. Sie ist Teil des European Green Deal und verfolgt das Ziel, mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit in der Nachhaltigkeitskommunikation zu schaffen.
Künftig müssen Unternehmen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen nachvollziehbar belegen können. Allgemeine Aussagen wie „nachhaltig“, „umweltfreundlich“, „grün“ oder „klimaneutral“ werden deutlich strenger bewertet. Gleichzeitig werden bestimmte Werbepraktiken und Nachhaltigkeitssiegel eingeschränkt oder verboten.
Die neuen Regelungen gelten ab 27. September 2026. Ab diesem Zeitpunkt müssen Unternehmen sicherstellen, dass ihre Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen den neuen Anforderungen entspricht.
Für den Tourismus bedeutet das vor allem eines: Nachhaltigkeitskommunikation wird künftig noch stärker auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit ausgerichtet sein. Die gute Nachricht ist, dass viele touristische Betriebe und Destinationen bereits zahlreiche nachhaltige Maßnahmen umsetzen. Nun geht es darum, diese Leistungen auch rechtssicher und nachvollziehbar zu kommunizieren.
Um Touristiker:innen bei der Vorbereitung zu unterstützen, hat die Österreich Werbung einen praxisorientierten Leitfaden zur EmpCo-Richtlinie erstellt. Darüber hinaus bietet ein Webinar am 9. Juli 2026 einen kompakten Überblick über die wichtigsten Anforderungen und deren Bedeutung für die touristische Praxis.
F.acT: In welchen Bereichen betrifft diese EU-Richtlinie die Touristiker:innen?
Katrin Erben: Die Auswirkungen reichen weit über Nachhaltigkeitsberichte hinaus. Betroffen ist vor allem die Kommunikation gegenüber Gästen – also Websites, Social-Media-Kanäle, Broschüren, Pressearbeit, Angebotsbeschreibungen oder Marketingkampagnen.
Viele touristische Betriebe und Destinationen werben bereits mit nachhaltigen Maßnahmen, etwa regionalen Produkten, Mobilitätsangeboten, Energieeffizienzmaßnahmen oder Zertifizierungen. Künftig wird entscheidend sein, ob diese Aussagen konkret, nachvollziehbar und belegbar sind.
Besonders relevant sind pauschale Aussagen wie „nachhaltiges Hotel“, „grüner Urlaub“, „umweltfreundliche Destination“ oder „klimaneutraler Aufenthalt“. Solche Formulierungen können problematisch werden, wenn sie nicht ausreichend belegt werden können oder die zugrunde liegenden Informationen für Verbraucher:innen nicht transparent sind.
Die Richtlinie betrifft damit nicht nur große Unternehmen oder internationale Hotelketten, sondern grundsätzlich alle touristischen Akteur:innen, die Nachhaltigkeit aktiv kommunizieren – von Beherbergungsbetrieben über Freizeitanbieter:innen bis hin zu Destinationen.
F.acT: Was empfiehlst du Praktiker:innen, wie sie dieses Thema am besten angehen können?
Katrin Erben: Mein wichtigster Rat lautet: Die EmpCo-Richtlinie nicht als reines Rechtsthema betrachten, sondern als Chance für glaubwürdige Kommunikation.
Als ersten Schritt empfehle ich eine Bestandsaufnahme der bestehenden Nachhaltigkeitskommunikation. Wo verwenden wir Begriffe wie „nachhaltig“, „grün“, „umweltfreundlich“ oder „klimafreundlich“? Welche Aussagen können wir mit konkreten Daten, Maßnahmen oder anerkannten Zertifizierungen belegen? Wo sind Formulierungen möglicherweise zu allgemein oder missverständlich?
Oft ist es sinnvoller, konkrete Maßnahmen zu beschreiben, als mit allgemeinen Nachhaltigkeitsversprechen zu arbeiten. Verbraucher:innen können beispielsweise mehr mit Aussagen wie „100 Prozent Ökostrom“, „regionale Lieferant:innen im Umkreis von 50 Kilometern“ oder „zertifiziert mit dem Österreichischen Umweltzeichen“ anfangen als mit pauschalen Werbebotschaften.
Wichtig ist außerdem, das Thema organisationsübergreifend zu betrachten. Nachhaltigkeitskommunikation betrifft nicht nur Marketingabteilungen, sondern auch Geschäftsführung, Produktentwicklung, Vertrieb und Nachhaltigkeitsverantwortliche. Eine enge Abstimmung hilft dabei, Risiken zu vermeiden und eine konsistente Kommunikation sicherzustellen.
Mein Tipp ist daher, sich bereits jetzt mit den Anforderungen auseinanderzusetzen und vorhandene Unterstützungsangebote zu nutzen. Wie bereits eingangs erwähnt, bietet der Leitfaden der Österreich Werbung einen guten Einstieg in das Thema. Wer einen kompakten Überblick erhalten und offene Fragen diskutieren möchte, kann zudem am Webinar am 9. Juli teilnehmen.
Die Herausforderung besteht künftig weniger darin, Nachhaltigkeit sichtbar zu machen, sondern vielmehr darin, Nachhaltigkeit präzise, transparent und nachvollziehbar zu kommunizieren. Genau darin liegt auch eine Chance: Glaubwürdige Kommunikation stärkt langfristig das Vertrauen der Gäste und macht nachhaltige Leistungen tatsächlich sichtbar.

