Inspiration

Kompass Schnee

Wie ein Datenprojekt Schweizer Destinationen bei der Klimaanpassung unterstützt

F.acT: Was ist die Zielsetzung des Projektes Kompass Schnee und welche zentralen Daten, Annahmen und Modelle liegen dem Projekt Kompass Schnee zugrunde?

Ein lächelnder Mann steht mit verschränkten Armen unter einer Seilbahn, umgeben von grünen Hügeln und einer modernen Bergstation.

Berno Stoffel: Ziel des Projekts ist es, den Akteuren im Wintertourismus bei strategischen Entscheidungen ein faktenbasiertes Orientierungsinstrument zum Klimawandels anzubieten, welches sie bei der Planung zukünftiger Wintersportaktivitäten, Investitionsentscheidungen, Produktentwicklungen und Marketingstrategien unterstützt.

Der Kompass Schnee beinhaltet wissenschaftliche Analysen und Prognosen vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos (WSL/SLF) zur Entwicklung der natürlichen Schneedecke in 23 unterschiedlichen meteorologischen Regionen der Schweiz, auf unterschiedlichen Höhenlagen und mit unterschiedlicher Hangausrichtung. Weiter prognostiziert das SLF die Anzahl an Stunden mit genügender Feuchtkugeltemperatur, die in diesen Regionen für die technische Beschneiung zur Verfügung stehen werden, basierend auf 280 Messstationen und vorausberechnend bis zum Jahr 2050. Für die Prognosen zukünftiger Veränderungen basiert der Kompass Schnee auf den Klimaszenarien Klima CH2025 (Klima CH2025). 

F.acT: Welche konkreten Erkenntnisse und strategischen Handlungsoptionen ziehen Sie aus diesem Projekt, um das touristische Angebot in Zukunft anzupassen?

Ein lächelnder Mann steht mit verschränkten Armen unter einer Seilbahn, umgeben von grünen Hügeln und einer modernen Bergstation.

Berno Stoffel: Der Wintertourismus mit Schnee wird auch in 2050 in den meisten Regionen noch möglich sein, er verändert sich jedoch. Die Schweiz verfügt nach wie vor über vorteilhafte natürliche Bedingungen mit vielen Skigebieten oberhalb von 1800müM, die auch im Jahre 2050 noch schneesicher sein werden. Skigebiete in tieferen Lagen müssen mit mehr Unsicherheiten und weniger schneereichen Wintern zurechtkommen. Dies erfordert aktives Vorausdenken und Anpassungsfähigkeit: Neuorganisation des Angebots, gezielte Investitionen und differenzierte Marktstellungen.

Der Kompass Schnee hebt drei Cluster von Anpassungsstrategien hervor, die alle bereits in mehreren Regionen umgesetzt werden:

  • Strategie A – Weiter mit Schneesport. Zum Beispiel Optimierung der Pistenpräparation oder Ausbau der technischen Beschneiung, Verlagerung des Angeboten in höhere Lagen
  • Strategie B – Mit unsicheren Schneeverhältnissen leben. Z.B. Angebot von Aktivitäten bei wenig Schnee wie Snowtubing oder Nutzung der Sonne und der Landschaft oberhalb des Nebels, Fokus auf Ausflugsgäste im Winter
  • Strategie C – Übrige Saisons als Kompensation. Z.B. Positionierung als ganzjährige Familiendestination, Erschliessung neuer Zielgruppen im Sommer

F.acT: Wie werden die Ergebnisse von Kompass Schnee konkret von Bergbahnen, Destinationen und Politik genutzt?

Ein lächelnder Mann steht mit verschränkten Armen unter einer Seilbahn, umgeben von grünen Hügeln und einer modernen Bergstation.

Berno Stoffel:Viele Bergbahnen und Destinationen beschäftigen sich schon seit Jahren mit der Anpassung an den Klimawandel. Der Kompass Schnee unterstützt sie mit auf wissenschaftlichen Daten basierenden Prognosen. Ausserdem finden sie auf der Webseite des Kompass Schnee vielfältige gute Beispiele für die verschiedenen Anpassungsstrategien zur Inspiration. Die meisten entscheiden sich für eine Kombination aus unterschiedlichen Massnahmen über mehrere Strategien hinweg.
Kantone nutzen diese Daten zur Anpassung der Förderpolitik für touristische Infrastruktur und Angebote.

Visuelle Darstellung der Klimaregionen in der Schweiz, mit klaren Grenzen und Bezeichnungen für jede Region in hellblau.
Berno Stoffel

Berno Stoffel ist seit Herbst 2020 Direktor von Seilbahnen Schweiz. Er scheut sich nicht, unbequeme Themen anzupacken und sie datenbasiert zu entwickeln. Als Leiter des Projektes «Kompass Schnee» akzeptiert er die wissenschaftlichen Fakten des Klimawandels vollumfänglich, kämpft aber gegen die Stigmatisierung der Branche. In seiner aktiven Arbeit in verschiedenen Vorständen sucht er nach Lösungen und Potentialen, die den Tourismus als Schweizer Kulturgut erhält und stärkt. Er verfügt über einen Abschluss als Executive Master in Business Administration der HSG St. Gallen und hat früher an der Uni Fribourg in Religionssoziologie promoviert.<u5:p></u5:p>

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.