F.acT: Die Gehörlosenwoche gibt es im Wipptal bereits über 15 Jahre. Wie kam es ursprünglich dazu, dieses barrierefreie Angebot gehörlose und schwerhörige Menschen ins Leben zu rufen?
Helga Beermeister: Unser ehemaliger Ortsstellenleiter von Trins, Jörg Covi, der leider 2022 verstorben ist, hatte ursprünglich die Idee, eine Urlaubswoche für Gehörlose anzubieten. Er nahm Kontakt zum Gehörlosenverband Tirol auf, der ihn bei der Umsetzung unterstützte. Somit bieten wir bereits seit vielen Jahren ein spezielles Angebot für gehörlose und schwerhörige Menschen an und schaffen damit eine Plattform für Austausch, Kultur, Bewegung und Gemeinschaft. Das abwechslungsreiche Programm wird zur Gänze von Gebärdensprachdolmetscher:innen begleitet und inkludiert neben geführten Wanderungen und E-Bike Touren auch kulturelle und kulinarische Highlights sowie Vorträge oder Ausflüge ins benachbarte Südtirol. Somit bieten wir einen Urlaub ohne Kommunikationsbarrieren.
F.acT: Welche Anforderungen hat diese Zielgruppe bzw. wie wird sichergestellt, dass die Angebote, die Kommunikation und die touristische Infrastruktur tatsächlich auf die Bedürfnisse gehörloser und hörbehinderter Gäste abgestimmt sind?
Helga Beermeister: Die Angebote müssen von Gebärdensprachdolmetscher:innen begleitet werden. Es ist wichtig, für alle Programmpunkte etwas mehr Zeit einzuplanen, da Gehörlose sehr interessierte Gäste sind und jede Frage natürlich „übersetzt“ werden muss. Es wird jedes Jahr ein Mix aus sportlichem Programm und Kulturprogramm geboten. Da sehr viele Stammgäste schon seit vielen Jahren an den Gehörlosenwochen teilnehmen, gehen wir natürlich gern auf konkrete Wünsche der Teilnehmer:innen ein und bieten jedes Jahr neue Programmpunkte an.

F.acT: Was macht die Gehörlosenwoche in Trins für die Teilnehmenden, die Region und den Tourismusverband so besonders – und welche Bedeutung hat sie für gelebte Inklusion im Wipptal?
Helga Beermeister: Das Besondere ist, dass in der Zwischenzeit mit vielen Gästen schon ein fast freundschaftliches Verhältnis zu den Guides, Dolmetscher:innen und Organisator:innen entstanden ist. Allein die Begeisterung der Teilnehmer:innen für unsere unberührte Natur und das Interesse an regionalen Besonderheiten ist jedes Jahr von Neuem der größte und schönste Dank für unseren Einsatz. Das Wipptal möchte eine Region für alle sein, deshalb finden neben der Gehörlosenwoche auch jährlich „Urlaubswochen für Beeinträchtigte und ihre Familien“ im Alpin Retreat St. Michael statt. Außerdem organisiert der Sportclub Steinach gemeinsam mit den Bergbahnen Bergeralm und dem TVB Wipptal bereits seit mehreren Jahren einen Para-Alpin Weltcup – Inklusion wird also auf mehreren Ebenen im Wipptal gelebt.

