Inspiration

Aktionswoche "Barrierefreier Westlicher Bodensee"

F.acT: Wie kam es dazu, dass ihr die Aktionswoche Barrierefreier Westlicher Bodensee ins Leben gerufen habt?

Eine lächelnde Frau mit lockigem Haar steht am Ufer eines Gewässers, der Himmel ist klar und blau.

Nadine Hölzl: Seit rund zweieinhalb Jahren beschäftigen wir uns intensiv mit dem Thema Barrierefreiheit. In dieser Zeit haben wir einen Beirat mit Tourismusakteur:innen, Sozialverbänden und Behindertenbeauftragten gegründet, Sensibilisierungsschulungen angeboten, Daten erhoben und zahlreiche weitere Maßnahmen angestoßen. 

Uns war wichtig, zunächst eine solide fachliche und strukturelle Basis zu schaffen, bevor wir das Thema stärker in die Öffentlichkeit tragen. Als wir gemerkt haben, dass diese Grundlagen gelegt sind, wollten wir den nächsten Schritt gehen. 

Die Aktionswoche war für uns ein bewusst gesetzter Meilenstein: ein klarer Zeitpunkt, bis zu dem Betriebe ihr barrierefreies Angebot weiterentwickeln sollten. Gleichzeitig konnten wir damit einen Rahmen schaffen, um bestehende Angebote sichtbar zu machen, neue Ideen auszuprobieren und das Thema insgesamt stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken.

F.acT: Was wird während dieser Woche alles geboten und an welches Zielpublikum sprecht ihr damit an?

Eine lächelnde Frau mit lockigem Haar steht am Ufer eines Gewässers, der Himmel ist klar und blau.

Nadine Hölzl: Insgesamt gab es an sechs Tagen 35 Aktionen von 23 verschiedenen Akteur:innen – mit ganz unterschiedlichen Formaten. Dazu gehörten unter anderem Stadtführungen für blinde und sehbehinderte Menschen, Rundgänge über die Blumeninsel Mainau für mobilitätseingeschränkte Personen, Tastführungen in Museen, Naturführungen sowie eine Comedy-Show von Kai Bosch zum Thema Inklusion.

Die Aktionswoche richtet sich ganz bewusst an alle Menschen – mit und ohne Behinderung. Denn Barrierefreiheit ist kein Spezialthema für eine kleine Zielgruppe. Wenn Wege gut begehbar sind, Strecken kürzer geplant werden oder Inhalte über mehrere Sinne erfahrbar sind, profitieren letztlich alle davon. Komfort, Orientierung und Zugänglichkeit sind Qualitätsmerkmale, die jeder zu schätzen weiß. 

Unser Anspruch ist es, Barrierefreiheit nicht als Zusatzangebot zu denken, sondern als selbstverständlichen Bestandteil von Qualität. Oder anders gesagt: Gute Angebote sind so gestaltet, dass möglichst viele Menschen selbstverständlich daran teilhaben können.

F.acT: Was waren die größten Herausforderungen bei der Organisation und Umsetzung?

Eine lächelnde Frau mit lockigem Haar steht am Ufer eines Gewässers, der Himmel ist klar und blau.

Nadine Hölzl: Eine der größten Herausforderungen war es zu Beginn, die Betriebe vor Ort mit ins Boot zu holen. Barrierefreiheit wird häufig noch mit hohen Umbaukosten und großem Aufwand gleichgesetzt. Deshalb war erstmal Sensibilisierungsarbeit nötig, um zu zeigen, dass Barrierefreiheit vor allem eine Chance ist – für mehr Gästezufriedenheit, Qualität und neue Zielgruppen. 

Einige Betriebe hatten bereits sehr gute barrierefreie Angebote, die wir einfach einbinden konnten. Gleichzeitig sollte die Aktionswoche aber auch Raum bieten, neue Formate auszuprobieren. Gerade diese Akquise war anfangs aufwendig. Doch als erste Akteur:innen zugesagt hatten und die Idee greifbar wurde, kam Dynamik in das Projekt und die Zahl der Aktionen wuchs stetig. 

Eine weitere Herausforderung war die Ansprache der Zielgruppen. Schnell wurde deutlich, dass wir über unsere klassischen touristischen Kommunikationskanäle nur einen Teil der Menschen erreichen. Deshalb haben wir bewusst neue Wege gewählt, gezielt soziale Einrichtungen, Verbände und Netzwerke angesprochen und unsere Kommunikation breiter aufgestellt. 

F.acT: Werdet ihr diese Aktionswoche fortführen und aus welchen Fehlern werdet ihr lernen?

Eine lächelnde Frau mit lockigem Haar steht am Ufer eines Gewässers, der Himmel ist klar und blau.

Nadine Hölzl: Ja, es ist bereits geplant, dass wir die Aktionswoche auch im Jahr 2027 wieder durchführen. Dabei steht schon jetzt fest, dass wir den Aktionszeitraum ausweiten möchten – voraussichtlich auf drei bis vier Wochen. Die Erfahrungen aus diesem Jahr haben gezeigt, dass eine Woche für die Vielzahl an geplanten Veranstaltungen und Aktionen sehr knapp bemessen ist. Ein längerer Zeitraum ermöglicht es den Gästen, an mehreren Angeboten teilzunehmen, ohne dass sich die Termine zu stark überschneiden oder alles in kurzer Zeit stattfindet.

Darüber hinaus möchten wir den Inklusionsgedanken der Aktionsreihe noch stärker in den Mittelpunkt stellen. Unser Ziel ist es, mit dem Veranstaltungsprogramm nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern ausdrücklich auch Menschen ohne Behinderung anzusprechen. Denn nur wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam an den Aktionen teilnehmen und miteinander in den Austausch kommen, kann Inklusion gelebt und das Bewusstsein für dieses wichtige Thema in der gesamten Gesellschaft gestärkt werden.

Nadine Hölzl

Nadine Hölzl studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Hotel- und Gastronomiemanagement an der DHBW Ravensburg. Nach beruflichen Stationen in Hotellerie, Gastronomie und Stadtmarketing wechselte sie zur Tourismusorganisation Westlicher Bodensee. Seit 2022 ist sie dort als Nachhaltigkeitsmanagerin tätig. Dabei verfolgt sie einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, der ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.

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