Projekt

Equal Pay Design Sprint

Wie Masterstudierende Lösungsansätze für mehr Gerechtigkeit bei der Bezahlung von Tourismusmitarbeitenden entwickeln

Design Sprint Equal Pay

Im Zuge der Lehrveranstaltung „Service & Experience Design“ durchlaufen die Studierenden des Master-Programms „Entrepreneurship & Tourismus“ am MCI Tourismus einen Design Sprint. Anstatt in der Theorie zu lernen, was Service Design ist, sollen die Studierenden selbst erleben, wie ein Design Sprint abläuft. Hierfür wird jedes Jahr ein Thema inkl. einem Praxispartner gesucht, um dieses Erlebnis möglichst realitätsnah zu gestalten und gleichzeitig Ideen für den Praxispartner zu generieren, sprich eine Win-Win Situation für Studierende und die Praxis. 

Nachdem wir in früheren Sprints Dienstleistungsverbesserungen für einzelne touristische Partner entwickelt haben, darunter ein Museum (Knappenwelt Tarrenz), Destinationen (Innsbruck Tourismus, Tourismusverband Wipptal), Attraktionen (Alpenzoo Innsbruck), oder Organisationen (Österreichischer Alpenverein), ging es heuer diesmal um ein eher systemisches Thema rund um die Frage „Equal Pay“. Gemeinsam mit dem Equal Pay Netz wurde dabei folgende Challenge für die Lehrveranstaltung definiert: „Wie könnten Dienstleistungen, Prozesse oder Koordinierungsmechanismen rund um einen bestimmten Akteur im Tourismusbereich neugestaltet werden, um die Entstehung von Lohnungleichheit im Laufe der Zeit zu verringern?“

Der Ablauf

Nach einer kurzen Einführung in das Lehrveranstaltungsformat sowie in das Thema Service Design erhielten die Studierenden zwei fachliche Vorträge von Armin Erger (Arbeiterkammer Tirol) zum Thema Equal Pay sowie von Christian Putzer (Equal Pay Netz) zum Projekt selbst. In einer weiteren Topic Immersion wurde vorab kuratierter Content (wissenschaftliche Paper zum Thema, Studien, relevante Webseiten, etc.) mit Hilfe der KI vorab aufbereitet, um weiter ins Thema einzutauchen. In drei Stationen diskutierten Studierende dabei über die involvierten Stakeholder (Ökosystem), Personas (betroffene Personen) und sogenannte Life Journeys als Karriereschritte. In einem weiteren Schritt hatten die Studierenden die Möglichkeit, Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen zum Thema Equal Pay zu befragen und mehr über das Thema zu lernen.

Die Erkenntnisse aus diesen Interviews wurden im Anschluss mit Hilfe der KI in Problemfelder unterteilt und die 12 Studierendengruppen auf diese aufgeteilt, um eine möglichst breite Abdeckung unterschiedlicher Themenfelder zu ermöglichen. Im Selbststudium mussten Studierende aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen einerseits eine KI-basierte Forschungsbasis aufbauen (AI Workspace) und Mechanismen hinter Equal Pay definieren. Zudem wurden kontextuelle Interviews mit Mitarbeitenden im Tourismus in unterschiedlichen Branchen durchgeführt, um die sogenannten „Life Journeys“ als Karrierepfade zu erfassen und zu dokumentieren.

All diese unterschiedlichen Daten und Erkenntnisse wurden am 2. Tag in einer Research Wall visualisiert und auf zentrale Erkenntnisse pro Tourismusbranche (Hotellerie & Gastronomie, Seilbahnwirtschaft, Sportartikelhandel & Verleih) identifiziert. Anhand dieser wurden pro Gruppe je drei Forschungsfragen (als How might we? Questions) definiert, für die die einzelnen Studierendengruppen dann Lösungsvorschläge erarbeiten konnten. So wurde die ursprünglich eher allgemein definierte Challenge in konkretere Problemstellungen heruntergebrochen. 

Die Ideenfindung erfolgt mit kreativen Techniken wie den Crazy 8. Innerhalb kürzester Zeit können damit viele Lösungen gesammelt werden, die dann anschließend in einem Idea Portfolio nach Impact und Umsetzbarkeit geclustert. Nach Auswahl der erfolgversprechendsten Ideen wurden für diese erste physische Prototypen gebaut und in einem ersten Schritt innerhalb der Gruppen getestet. Eine zweite Testrunde erfolgte mit einer weiteren Runde von Expert:innen, die den Studierenden realitätsnahes Feedback und weiteren Input gaben. Auf Basis dessen wurden die Ideen nochmals überarbeitet und verfeinert und im Anschluss den Expert:innen präsentiert.

Ausgezeichnete Projekte

Aus den insgesamt 12 Gruppen musste die Jury bestehend aus Christian Putzer, Julia Fenneberg, Nicole Ortler und Maria Salchner auswählen. Den 1. Platz machte das Kartenspiel Fair Play Challenge, welches durch seine haptische und einfache Umsetzung überzeugte, das Thema Equal Pay auf eine spielerische Weise thematisiert und zu Diskussion innerhalb von Skischulen anregt. Wir gratulieren dem Team rund um Noah Bernardi, Marie-Antonia Bierbaumer, Lara Hadlauer, Federico Morandini und Lisa Tipotsch zu ihrem spannenden Output. Platz 2 belegte das Projekt “herwork”, welches zwei Ideen in einer finalen Lösung kombinierte und damit das Feedback aus den Testing-Runden am besten umsetzte. Der dritte Platz ging an den Event “Bring your child to work” als Bewusstseinsbildung für die Verbindung von Arbeitsplatz und Kinderbetreuung, um versteckte Care Arbeit sichtbar zu machen. 

Feedback

Nachdem Design Sprints oft lediglich auf die Verbesserung von touristischen Produkten und Dienstleistungen ausgerichtet sind, brachte das Thema “Equal Pay” sowohl für die Lehrenden als auch für die Studierenden gewisse Herausforderungen mit sich. Der Ansatz, Service Design nicht klassisch zu unterrichten, sondern den Prozess anhand des Double Diamonds selbst am Beispiel eines Praxisthemas zu durchleben, führt bei Studierenden erfahrungsgemäß erstmal zu einer gewissen Überforderung. "At first, this lecture combined with this project was complete chaos for me. I didn’t understand either the ultimate goal of the project or how the topic of the gender pay gap in tourism fit into the “Service & Experience Design” lecture. Over the course of the days, things slowly became clearer, and we as a team – or rather, I - knew what we were working toward: a prototype. Overall, I found the course’s approach, with all its practical elements, very engaging." 

“I (…) wasn’t very interested in the topic at first, as it seemed like something that had already been discussed many times without leading to real change. Over time, however, things started to make more sense, which surprised me. I began to see the topic from a different perspective, and it became more interesting and meaningful than I had expected. What I found especially valuable was that we developed this new perspective together as a team. We came up with our own ideas, solutions, and opinions in a natural way, without forcing it, which made the learning process more effective.” 

Positives Feedback erhielten wir auch von den Beteiligten Personen:

„Die Zielgruppe von Studierenden ist für das Equal Pay Projekt von großer Bedeutung, zumal diese Personen sich schon in ihrer Ausbildung mit dem Thema der Gender-Gleichberechtigung als zukünftige Führungskräfte im Tourismus beschäftigten. Die eigenständige Erarbeitung der unterschiedlichen Themenstränge zum Hauptthema „Equal Pay“ sensibilisierte die Studierenden für die Problemfelder der Kinderbetreuung, der Lohntransparenz, der finanziellen Bildung für Frauen, moderner Arbeitszeitmodelle, etc. Die intuitive Herangehensweise mithilfe moderner wissenschaftlicher Methoden, angewandt in einem praxisorientiertem Umfeld unter der Begleitung von Professor:innen und Tourismus-Expert:innen ermöglichte realitätsnahe innovative Lösungsansätze. Die Zielsetzung des EPN-Projektes konnte damit exzellent erfüllt werden." Christian Putzer, Regionalleiter für Innsbruck/Tirol

„Es fand bei den Studierenden eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema statt. Und gerade diese frühe und praxisnahe Beschäftigung mit Gleichstellung ist wichtig. Denn wir brauchen die Gestalter:innen von morgen, die diese Aspekte für eine faire Arbeitswelt mitdenken.“ Lisa Keiler, Proejktleiterin VerNetzT - Vereinbarkeit Netzwerk Tirol, Regionalmanagement Innsbruck-Land

"Der Service Design Sprint hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll die Kollaboration und Co-Creation mit jungen Menschen ist! Für mich war es erfrischend und bereichernd zu erleben, wie seriös und professionell die Studierenden mit der komplexen Thematik umgegangen sind, während sie es gleichzeitig geschafft haben, Perspektiven und Blickpunkte aufzuzeigen, die aus ganz unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven kommen, und umso wertvoller sind, um wirklich innovative und out-of-the-box Lösungsansätze zu entwerfen".  Lena Obermair, Impact Hub Tirol

„Der bestbewertete Konzeptvorschlag überzeugt mit einem analogen, niedrigschwelligen Ansatz, der in einem heterogenen Arbeitsumfeld sofort funktioniert. Das Kartenspiel schafft über Gamification einen einfachen Zugang zu komplexen Themen, überwindet sprachliche und kulturelle Barrieren und fördert aktiv Austausch und Awareness im Team. Gerade diese Kombination aus Zugänglichkeit, Skalierbarkeit und unmittelbarer Anwendbarkeit war ausschlaggebend für die Bewertung.“ Julia Fenneberg, Fberg Marketingsolutions

Wir bedanken uns bei allen beteiligten Personen, die uns so tatkräftig beim diesjährigen Sprint unterstützt haben, darunter Christian Putzer vom Equal Pay Netz als heuriger Projektpartner, Armin Erger (Arbeitskammer Tirol), Julia Fenneberg (Fenneberg Marketing), Lisa Keiler (VerNetzt/Regionalmanagment Innsbruck-Land), Lena Obermair (Impact Hub Tirol), Nicole Ortler (Tirol Werbung), Julia Gschwentner (Wirtschaftskammer Tirol), Maria Salchner (Idealtours), Veronika Steger (Frauen im Brennpunkt), Stephanie Haselwanter (MCI Tourismus) sowie unserem externen Lektor Markus Edgar Hormeß (WorkPlayExperience).

Sei bereit für alles, was die Zukunft im Tourismus bringt.