Inspiration

AMooRe

Gemeinsam für lebendige Moore

F.acT: Wieso sind Moore für die Biodiversität in Österreich so wichtig?

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Felix Lassacher: Moore stellen ein sehr komplexes Konstrukt (Lebensraum) dar und übernehmen eine Vielzahl an Funktionen. Dies unterscheidet sich auch je nach Moortyp. Niedermoore werden über das Grundwasser oder ein Fließgewässer mit Wasser versorgt und weisen eine (meist) noch niedrige Torfmächtigkeit auf. Hochmoore hingegen werden rein aus Regenwasser gespeist und haben eine hohe Torfmächtigkeit von teilweise 5-10 Metern. In der Regel entwickelt sich ein Hochmoor aus einem Niedermoor. Das heißt, wenn Torfmoose wachsen, den Boden sauer machen und das Moor durch Torfbildung über den Grundwasserspiegel hinauswächst, wird es nicht mehr durch Grundwasser, sondern nur durch nährstoffarmes Regenwasser gespeist. Es wird zum Hochmoor. In der Übergangsstufe werden diese auch als Übergangsmoore bezeichnet, da sie Aspekte von beiden Lebensraumtypen aufweisen. 

Im Sinne des Klimaschutzes binden sie Kohlenstoff. Moore bedecken rund 3% der Erdoberfläche (Landmasse), in diesem Lebensraum sind jedoch rund 30% des „erdgebundenen“ Kohlenstoffs gespeichert. Neben der Funktion des „Kohlenstoffspeichers“ ist auf Moorflächen auch der Effekt der Verdunstungskühlung festzustellen. An heißen Tagen kann es so an den Mooren bis zu 5° kühler sein. Dieser kühlende Effekt von Mooren ist für die Umgebung extrem wertvoll. Zudem kommt es in Mooren zu einer Wasserreinigung, was gerade für den Wasserhaushalt sehr wichtig ist. Im Zuge des durch den Klimawandel immer häufiger auftretenden Starkregens können Moore eine Rückhaltefunktion haben. Moorflächen (vor allem Niedermoore und Übergangsmoore) können bei Starkregenereignissen Wasser aufnehmen und rückhalten bzw. Moorflächen können durch ihre Oberflächenstrukturen (Bult-Schlenken-Komplex) die oberflächlichen Abflussgeschwindigkeiten reduzieren. Bei naturgemäß bereits wassergesättigten, funktionierenden Hochmooren ist ein Wasserrückhalt durch Wasserspeicherung kaum gegeben. 

Daneben spielen sie auch für die Artenvielfalt eine entscheidende Rolle, da sie Lebensraum für seltene Pflanzen- und Tierarten darstellen. Auch hier gibt es Unterschiede je nach Moortyp. Kalkreiche Niedermoore sind die „artenreichsten“ Moorlebensräume. Man erkennt sie z.B. an den Wollgraswiesen oder am Orchideenreichtum. Basenarme Moore hingegen sind aufgrund des pH-Wertes weniger artenreich und sind vergleichbar mit Hochmoorkomplexen. Pflanzen, die sich hier entwickeln, sind dafür hoch spezialisiert. Sie müssen Stickstoff durch alternative Wege finden, z.B. als fleischfressende Pflanzen. 

Neben der Funktion als Lebensraum sind Moorflächen (auch aufgrund ihrer Seltenheit insbesondere im Talraum) als wertvolle Biotop-Verbundsysteme sogenannte Trittsteine zu sehen. Hier finden auf diesen Feuchtflächen z.B. Zugvögel Raststätten, um sich auszuruhen und Nahrung zu finden.

F.acT: Wie steht es um den Zustand der Moore in Tirol bzw. Österreich?

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Felix Lassacher: Generell kann man sagen, dass es kaum einem Lebensraumtyp gibt, der sich in einem solch schlechten Zustand befindet wie die Moore. Bis in die 1950er Jahre wurde bei uns Torf abgebaut. In der Nachkriegszeit wurde er primär als Heizmaterial genutzt. Durch das Aufkommen von Alternativen wie Öl wurde er später nur noch in wenigen Gebieten, wie z.B. am Schwarzsee, noch für Heilbäder (Moorbäder) genutzt. Für lange Zeit stellten Moorflächen für die Landwirtschaft einen Nachteil dar, da diese mit mehr Arbeitsaufwand verbunden und weniger produktiv waren. Zur Zeit des Wiederaufbaus nach den beiden Weltkriegen gab es sogar Förderungen für die Entwässerung der Moore (Ziel war es, dadurch ein 10. Bundesland zu schaffen). Aufgrund dieser Entwicklungen sind heute über 90% der Moorflächen in Österreich und Mitteleuropa entwässert.

Heute verwenden wir Torf nach wie vor als Blumenerde. Diese wird inzwischen aber aus den baltischen Staaten und Norddeutschland importiert. Wichtig ist dabei zu wissen, dass man ein Moor durch Entwässerung extrem schnell zerstören kann, die Revitalisierung aber extrem aufwendig und zeitintensiv ist. Im Schnitt wächst ein Moor im Jahr nur 1 mm. Daher gibt es immer mehr Bestrebung, Moore zu revitalisieren. 

Die Bedeutung der Moore ist in der Forschung schon lange bekannt. Vor 20 Jahren wurden die Karwendel Moore als erste revitalisiert und damit auch eine der ersten in Österreich. Während der Pandemie wurde ein eigenes Projekt von der Landesregierung zur Renaturierung ausgewählter Moorstandorte initiiert. So wurden in Abstimmung mit den Grundeigentümer:innen, die fast ausschließlich Bäuer:innen darstellen, 10 ha Moore in ganz Tirol revitalisiert (Berichtsvorlage des Landes Tirol). Dies benötigte viel Dialog und Überzeugungsarbeit. 

Trotzdem haben wir für dieses Projekt sehr viel Zuspruch erhalten und es wurde fast schon zum Selbstläufer. Danach folgte eine österreichweite Moorschutzstrategie 2030+, bei der alle Bundesländer beteiligt waren. Aus dieser Zusammenarbeit wurde die Idee geboren, den Antrag für ein österreichweites EU-Life Projekt zu schreiben. 2024 erhielten wir dann den Zuschlag zum EU-Life-Projekt AMooRe mit einer Fördersumme für ganz Österreich von € 44 Mio. 

Für die Revitalisierung von Mooren braucht es einiges an Vorarbeiten (Grundlagenerhebungen). Neben der Installation von Hydrologischen Pegelmessstellen – die über mindestens ein Jahr den Wasserstand im Moor aufzeichnen – müssen auch die Lebensräume kartiert und deren Defizite analysiert werden. Zudem wird der Boden beprobt und ausgewertet. Auf Basis dieser Grundlagendaten werden dann die Revitalisierungsmaßnahmendefiniert. Es gibt hier keine „one fits all“ Lösung. Im Anschluss folgt ein Langzeitmonitoring, wo auch die Vegetation aufgenommen wird, Bodenproben erhoben und Pegel erfasst werden, um den Zustand des Moores laufend zu beobachten. 

Bisher hatten wir sehr große Erfolge. Die Revitalisierung funktioniert sehr gut und wir bekommen von den Grundbesitzer:innen gute Rückmeldungen. Durch die Universität Innsbruck sollen zudem gezielte Messungen zu den Treibhausgasen stattfinden. Ziel ist es festzustellen ab welchem Zeitpunkt ein geschädigtes Moor durch Revitalisierungsmaßnahme wieder zu einem „CO2-Speicher“ wird. Jedenfalls ist eine Überstauung der Moorfläche zu vermeiden. Denn in diesem Fall würde ein Moor Methan ausstoßen, ein weiteres klimarelevantes Treibhausgas. Moore müssen aufgrund der veränderten Klimabedingungen auch in Zukunft klimafit bleiben. 

F.acT: Wie kann der Tourismus Moorrenaturierungen aktiv unterstützen?

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Felix Lassacher: Es braucht generell viel mehr Sensibilisierung und Wissen über die Bedeutung von Mooren. Wir sind daher um jeden Partner froh, der das Thema Moore mitdenkt. Dies kann sehr unterschiedlich aussehen. Derzeit arbeiten wir gemeinsam mit Sonntag.plus und Natopia an der verstärkten Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung für den Raum Kitzbühel (AMooRe Schwerpunkt 2026). Zielgruppe sind in einem ersten Schritt Schulklassen, in weiteren Schritten dann aber ebenso Gemeinden und Tourismusverbände und Grundeigentümer:innen (Landwirt:innen). Viele Gemeinden haben bereits Informationen zu Mooren in ihrem Gemeindegebiet und weisen dies auch auf ihren Webseiten aus. Hier ist auch eine Verlinkung zum AMooRe-Projekt wünschenswert. 

Auch Tourismusverbände können das Thema mittragen. Einerseits durch Information und Veranstaltungsformate für Gäste und Einheimische, aber auch durch Freiwilligenprojekte wie z.B. im Naturpark Karwendel (Team Karwendel). Daneben können sie sich aktiv in die Revitalisierung einbringen, wie das mit dem Reither Moor bei Seefeld passiert ist. Auch in der Bildsprache der Tourismuswerbung spielen Moore derzeit noch eine recht geringe Rolle. Auch hier könnte man ansetzen. In einigen Regionen wie im Ehrwalder Becken sind gemeinsam mit der Gemeinde auch eine Aussichtsplattform über dem Rossmoos geplant. In der Wildschönau soll ebenfalls eine Besucherplattform entstehen und an den einen bestehenden Wanderweg angeschlossen werden. Auch so können Moore zugänglich gemacht werden, ohne sie zu beschädigen, und gleichzeitig Wissen über Informationstafeln vermittelt werden. Angedacht sind in Zukunft zudem Exkursionen. Zudem planen wir noch einen stärkeren Austausch mit dem Klimabündnis und den KLAR-Regionen. Hier passiert auch schon in einigen Regionen gute Arbeit rund um das Thema Moore. Interessant ist auch zu sehen, dass wir immer wieder auch private Sponsoren aus den unterschiedlichsten Branchen erhalten, welche unsere Projekte finanziell unterstützen möchten. Interessierte Personen können sich gerne an mich wenden. Das AMooRe-Projekt läuft noch bis 2033 und wir haben hier noch viel vor. 

Felix Lassacher

Felix Lassacher hat an der Universität Innsbruck studiert, ist Sachverständiger in der Abteilung Umweltschutz beim Land Tirol und ist für das AMooRe-Projekt in Tirol verantwortlich.  

 

 

 

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