Forschung

Wie Jugendliche die Natur in den Bergen sehen und was sie daran schätzen

Diese Studie untersucht mithilfe von Fotografien und Erzählungen, wie junge Menschen die Natur in den Alpen wahrnehmen und welche vielfältigen Werte sie diesen Gebirgsökosystemen zuschreiben.
Johanna Trummer, Lucas Weinberg, Nina Liebhaber & Lars Keller (2026)
Junge Menschen achten in den Bergen vor allem auf das, was sie direkt sehen (wie Gletscher oder Felsen) oder was sie an eigene Erinnerungen (wie Urlaub) erinnert.
Dass die Natur auch nützliche Aufgaben für uns erfüllt (wie Trinkwasser liefern oder beim Klimaschutz helfen), ist den Jugendlichen kaum aufgefallen.
Sie fühlen sich zwar persönlich mit der Natur verbunden, verstehen aber noch wenig darüber, wie wichtig die Berge für die gesamte Umwelt und die Menschen sind.
Die Forscher konnten zeigen, dass man mit Fotos und kurzen Geschichten sehr gut sichtbar machen kann, was jungen Menschen an der Natur wichtig ist.

Kurzfassung dieser Studie

Materielle und immaterielle Beträge von Gebirgsökosystemen überschneiden sich mit dem Wohlergehen und der Lebensqualität sowohl lokaler Gemeinschaften als auch von Besucher:innen und unterstützen diese. Der Klimawandel und der zunehmende menschengemachte Druck wirken sich massiv auf diese Umgebung aus, was die dringende Notwendigkeit eines Wandels unterstreicht. Um einen solchen Wandel zu ermöglichen, müssen vielfältige Perspektiven einbezogen werden, und die vielseitigen Werte der Natur - insbesondere jene verschiedener Nutzergruppen in Gebirgsräumen - müssen erkannt und in den Prozess integriert werden.

Obwohl die Mehrzahl der Naturwerte in der Wissenschaft zunehmend Beachtung findet, sind junge Menschen in diesem Forschungsbereich weiterhin unterpräsentiert, vor allem in ihrer Rolle als Besucher:innen von Gebirgsregionen. Daher wenden diese Studie das Nature Futures Framework an, um zu untersuchen, wie jugendlichen Besucher:innen (14-16 Jahre alt) die Natur im Gaisbergtal (Österreich) wahrnehmen und bewerten. Die Teilnehmenden sammelten 464 Fotografien und dazugehörige kurze Erzählungen über ihre Naturwahrnehmung. Diese Erzählungen wurden kodiert und synthetisiert, um die Verteilung von intrinsischen, relationalen und instrumentellen Werten zu visualisieren.

Die Ergebnisse zeigen, dass jugendliche Besucher:innen vorwiegend intrinsische Werte (z. B. Gletscher) und rationale Werte (z. B. persönliche Assoziationen und Erinnerungen) betonen, während instrumentelle Werte (z. B. Wasserversorgung, Energieerzeugung) vergleichsweise unterpräsentiert bleiben. Diese Verteilung deutet darauf hin, dass sich die Wertperspektiven junger Besucher:innen auf die einzigartigen natürlichen Merkmale von Gebirgsräumen und ihre persönlichen Verbindungen konzentrieren. Zudem  identifizieren sie sich möglicherweise weniger mit den breiteren ökologischen und gesellschaftlichen Funktionen, die lokale Gemeinschaften und die Bevölkerung im umliegenden Tiefland stützen, oder messen diesen einen geringeren Wert bei. Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Wahrnehmung und Wertschätzung der Gebirgsnatur durch junge Menschen und demonstrieren eine innovative, indirekte Anwendung des Nature Futures Frameworks.

Kernergebnisse dieser Studie

  • Intrinsische Werte: Die Mehrheit der Jugendlichen nimmt die alpine Natur primär durch ihre sichtbaren, eigenständigen Merkmale wie Gletscher oder Felsenformationen wahr.
  • Relationale Werte: Persönliche Erinnerungen sowie Gefühle von Freiheit und Ruhe spielen eine bedeutende Rolle dabei, wie junge Menschen eine Beziehung zur Gebirgsumwelt aufbauen
  • Instrumentelle Werte: Der direkte Nutzen der Natur für die Gesellschaft, wie etwa die Energieerzeugung oder Wasserversorgung, ist in der Wahrnehmung der Jugendlichen deutlich unterpräsentiert
  • Fehlendes Systemverständnis: Wichtige regulierende Funktionen der Ökosysteme, darunter der Klimaschutz oder der Schutz vor Naturgefahren, werden von den Teilnehmenden kaum als wertvoll identifiziert
  • Fokus auf Sichtbares: Die Wahrnehmung beschränkt sich stark auf unmittelbar greifbare Landschaftselemente, was vermutlich an einer fehlenden langfristigen persönlichen Verbindung der Besucher:innen zur Region liegt
  • Methodische Wirksamkeit: Die Kombination aus Fotografien und Erzählungen erweist sich als effektives Werkzeug, um die vielfältigen Naturwerte junger Menschen im Rahmen des Nature Futures Frameworks sichtbar zu machen

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